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Monographien und Sammelbände unserer Mitglieder

Daniel Winkler (Hg.)

Italienisch-Österreichische Verflechtungen
Stauffenburg (Zibaldone. Zeitschirft für italienische Kultur der Gegenwart 70), Tübingen 2021

Zibaldone wurde 1986 von Helene Harth und Titus Heydenreich gegründet, um in der Auseinandersetzung mit der italienischen Gegenwartskultur ein Bindeglied zwischen Wissenschaft und Feuilleton zu kreieren – im Sinn eines öffentlichkeitswirksamen Forums für eine leidenschaftliche, aber auch kritische Auseinandersetzung mit Italien, das «nicht nur auf ein akademisch limitiertes Publikum» zielen sollte, wie es in der ersten Nummer heißt. Nach Stationen in München und Berlin wechselt die Zeitschrift 2002 mit der Nummer 33 zum Tübinger Stauffenburg-Verlag, wo sie seither – nach dem Ausscheiden von Helene Harth und dem Tod von Titus Heydenreich mit neuen Herausgebern – erscheint. So feiert die Zeitschrift in diesen gerade für Italien schwierigen Zeiten der Corona-Krise ein dreifaches Jubiläum: die 70. Zeitschriftennummer (2020), das 35-jähriges Bestehen (2021) sowie 20 Jahre Zusammenarbeit mit dem Verlag (2022).
Zibaldone 70 nutzt diesen Anlass, um noch einmal neu auf die italienischen Beziehungen mit dem deutschsprachigen Raum zu blicken. In den letzten fünf Jahren sind einige Bände erschienen, die die Zwischenkriegszeit und v.a. den Ersten Weltkrieg als historische und kulturelle Konstellationen Mitteleuropas oder spezifischer Grenzregionen perspektivieren oder sich aber den politischen Beziehungen der beiden Länder widmen. Das vorliegende Heft versteht sich als interdisziplinäre Ergänzung dazu, indem es vor dem Hintergrund der langen habsburgischen Herrschaft Österreich-Ungarns über diverse Gebiete des heutigen Italiens und der Grenzlage der beiden Länder (Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino) die italienisch-österreichischen Beziehungen im Sinn multipler transregionaler und -nationaler Verflechtungen als mobil und dynamisch fasst. Das Anliegen der 70. Nummer von Zibaldone ist also eine interdisziplinäre Weitung des Blicks über eine politisch-historische Beziehungsgeschichte der beiden Länder hinaus. 

Johanna Chovanec, Olof Heilo (Hg.)

Narrated Empires. Perceptions of Late Habsburg and Ottoman Multinationalism
Palgrave, Cham 2021

This book examines the role of imperial narratives of multinationalism as alternative ideologies to nationalism in Central and Eastern Europe, the Balkans, and the Middle East from the revolutions of 1848 up to the defeat and subsequent downfall of the Habsburg and Ottoman empires in 1918. During this period, both empires struggled against a rising tide of nationalism to legitimize their own diversity of ethnicities, languages and religions. Contributors scrutinize the various narratives of identity that they developed, supported, encouraged or unwittingly created and left behind for posterity as they tried to keep up with the changing political realities of modernity. Beyond simplified notions of enforced harmony or dynamic dissonance, this book aims at a more polyphonic analysis of the various voices of Habsburg and Ottoman multinationalism: from the imperial centres and in the closest proximity to sovereigns, to provinces and minorities, among intellectuals and state servants, through novels and newspapers. Combining insights from history, literary studies and political sciences, it further explores the lasting legacy of the empires in post-imperial narratives of loss, nostalgia, hope and redemption. It shows why the two dynasties keep haunting the twenty-first century with fears and promises of conflict, coexistence, and reborn greatness.

Melanie Strasser

Kannibalogie. Zu einer Philosophie der Einverleibung
IFK Lectures & Translations. Hg. von Thomas Macho
Turia & Kant, Wien/Berlin 2021

Kultureller Kannibalismus als metaphorische Verschlingung des Anderen und seine Transformation in ein ›Eigenes‹ wird im Brasilien der 1920er Jahre als Möglichkeit des Widerstands gegen die nach wie vor wirksame Vorherrschaft Europas in Kunst, Kultur und Literatur zelebriert. Seither kann die Trope der Einverleibung nicht nur in Lateinamerika als paradigmatisch für den Diskurs über Identität, Alterität und Differenz, Sprache, Literatur, Tradition und Übersetzen angesehen werden. Die vorliegende, kaleidoskopische Reflexion des Kannibalismus – eine Kannibalogie – sucht den Akt der rituellen Einverleibung in seiner Wirkmacht, seinen Möglichkeiten, aber auch seiner Problematik aus philosophischer, anthropologischer, kultur- und literatur­wissenschaft­licher, übersetzungs­theoretischer sowie psychoana­lytischer Perspektive nachzuzeichnen.

Ingo Pohn-Lauggas, Birgit Wagner (Hg.)

Gramsci und Benjamin – Passagen
International Gramsci Journal, Volume 3, Issue 4, 2020

Das Zusammendenken des Werks von Antonio Gramsci und Walter Benjamin, dieser zwei grundlegenden Theoretiker des 20. Jahrhunderts, erfolgte in der Vergangenheit eher sporadisch, eine systematische Zusammenschau fehlte bisher. Was eint Gramscis lebendige Philologie, seinen Hegemonie-Begriff, seine Konzeption der Subalternen mit Benjamins Auffassung zum Kapitalismus des 19. Jahrhunderts, zu dessen Akteuren und Außenseitern und seinen – aus heutiger Sicht kulturwissenschaftlich zu nennenden – Einsichten zur Kulturindustrie? Was können beide zum Verständnis gegenwärtiger politischer und kultureller Verhältnisse beitragen?

Die hier versammelten Beiträge spannen einen weiten thematischen Bogen, der den im besten Sinne interdisziplinären Anliegen von Gramsci und Benjamin Rechnung trägt. Damit schlägt der Band auch eine Brücke zwischen den jeweiligen Forschungsgemeinden zu diesen beiden Denkern, die zu selten miteinander ins Gespräch kommen.

Marijana Erstic, Daniel Winkler (Hg.)

Rijeka / Fiume. Italien und Kroatien
Stauffenburg (Zibaldone. Zeitschirft für italienische Kultur der Gegenwart 68), Tübingen 2020

2020 wird die Stadt Rijeka in Kroatien Kulturhauptstadt Europas sein, ein Ereignis, das Anlass für die kultur- und tourismusökono- mische Transformation von alten, oft industriellen und maritimen Strukturen ist, aber auch einen neuen Blick auf die italienisch-kro- atischen Grenzbeziehungen in Geschichte und Gegenwart erlaubt.
Unmittelbar nach dem Ende des Ersten Weltkriegs formierten sich die politischen Mächte in Europa neu, nachdem alte Reiche wie die Donaumonarchie zusammengebrochen waren und neue, mal mehr und mal weniger langlebige Staaten entstanden. Fiume, das heutige kroatische Rijeka, wurde in diesem Kontext Ort einer neuen imperialen Eroberung: Die Stadt in der Kvarner Bucht wurde parallel zur Pariser Friedenskonferenz von 1919 von D’Annunzio und seinen Getreuen okkupiert. Spektakuläre Umzüge und militante Proklama- tionen, die den Faschismus antizipierten, folgten; Rijeka blieb für sechzehn Monate unter Gabriele D’Annunzios Herrschaft.
Als Schauplatz der Mobilisierung der Massen bietet Fiume/Ri- jeka 100 Jahre später zahlreiche Anknüpfungspunkte, um über das ambivalente Verhältnis von Italien und Kroatien nachzudenken. Der Impuls einer neuen Auseinandersetzung mit den spannungsreichen kulturellen und politischen Ver echtungen zwischen Italien und Kroatien ging von der Tagung 100 Jahre nach Fiume – Gespräche über Gabriele D’Annunzio aus, die im November 2018 in der Villa Vigoni am Comer See stattgefunden hat. Ausgehend von den Er- gebnissen der Tagung will diese von Marijana Erstić mitherausgege- bene Nummer von Zibaldone einen interdisziplinären Blick auf die komplexe Beziehungsgeschichte von Italien und Kroatien werfen. Im Spannungsfeld von Selbst- und Fremdbestimmung, Italophilie und -phobie, Nationalismus und Transkulturalität soll dabei nicht zuletzt der oft zu kurz kommenden kroatischen Perspektive eine kritische Stimme verliehen werden.

Julia Boog-Kaminski, Lena Ekelund, Kathrin Emeis (Hg.)

Aufbruch der Töchter.
Weibliche Adoleszenz und Migration in Literatur, Theorie und Film

Königshausen&Neumann, Würzburg 2020

Lange war die Figur der Tochter gerade in Migrationsnarrativen das schwächste Glied der patriarchalen Familie – nun ergreift sie das Wort. In literarischen Texten der Gegenwart wird sie zur Erzählerin ihrer eigenen wie der familialen Fremdheitserfahrungen. Sie schildert aus weiblicher Perspektive Anpassungsversuche, familiendynamische Auswirkungen sowie Erstarken und Scheitern der Entwicklung eines Selbst. Die Geschichten dieser migrierenden Töchter sind zugleich die Geschichte ihrer Adoleszenz. Innere und äußere Fremdheitserfahrungen fallen hier zusammen: Wie die Erlebnisse während der Migration, so ist auch die adoleszente Entwicklung von der Begegnung mit sich selbst als etwas Unbekanntem gekennzeichnet. Der vorliegende Band nähert sich dem Thema "Weibliche Adoleszenz und Migration" über eine Reihe von Beiträgen aus erziehungswissenschaftlicher, psychoanalytischer und literaturwissenschaftlicher Perspektive.

 

 

Dorothee Kimmich, Sabine Müller (Hg.)

Tiefe.
Kulturgeschichte ihrer Konzepte, Figuren und Praktiken
de Gruyter, Berlin/ Boston et al. 2020

Die Tiefe zählt zu den ältesten und wichtigsten Metaphern der Kulturgeschichte. Dies verdankt sie ihrer engen Bindung an Konzepte von Wahrheit und Erkenntnis, Ursprung und Seele, Substanz und Grund. Diesen positiven Konnotationen stehen ebenso zahlreiche negative Aufladungen gegenüber, in denen die Tiefe als Projektionsraum für das Dunkle, Irrationale, Bedrohliche und Unkontrollierbare dient. Der Band erkundet die Funktion der Figur der Tiefe in einschlägigen kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Zusammenhängen und veranschaulicht damit das historiografische wie theoretische Potenzial des interdisziplinären Gegenstands.
Mit Beiträgen von Moritz Baßler, Hartmut Böhme, Thomas Macho, Stefan Rieger, Jörg Robert, Bernd Stiegler, Hans-Georg von Arburg, Burkhard Meyer-Sickendiek, Monika Mokre, Raimar Zons, Vera Bachmann, Roland Innerhofer, Irmgard Männlein-Robert und den Herausgeberinnen. 

 

Linda Leskau

Sadismus und Masochismus. Zur Subversion der Sexualwissenschaft im Frühwerk Alfred Döblins
Böhlau, Köln 2020 (= Literatur - Kultur - Geschlecht. Bd. 75)

Das Buch widmet sich den Repräsentationen von Sadismus und Masochismus in ausgewählten Texten Alfred Döblins (1878−1957) und weist nach, dass das Thema der sogenannten Perversionen konstitutiv für das literarische Frühwerk des Autors ist. Die Studie legt einen Fokus auf Döblins Auseinandersetzung mit der historischen Sexualwissenschaft. Sie macht dabei deutlich, dass der Autor insbesondere die Annahmen Richard von Krafft-Ebings, Magnus Hirschfelds oder Sigmund Freuds keineswegs bloß adaptiert und somit auch nicht an einer Stabilisierung der sexuellen Normalität mitwirkt. Ganz im Gegenteil: Mit den Mitteln des Literarischen hinterfragt Döblin das zeitgenössische sexualwissenschaftliche Wissen und unterläuft es subversiv. Dies zeigt sich vor allem an der komplexen Gestaltung seiner Frauenfiguren. Indem Döblins Texte die Binarität der Geschlechter, das Gendering von Sadismus und Masochismus, die sadomasochistische Einheit sowie die Differenzierung in normale und perverse Sexualität infrage stellen, wird eine Öffnung des sexualwissenschaftlichen Diskurses hin zu einem sexuellen Pluralismus forciert. > Zum Buchshop

 

Endre Hárs

Der mediale Fußabdruck
Zum Werk des Wiener Feuilletonisten Ludwig Hevesi (1843-1910)

Königshausen & Neumann, Würzburg 2020

Der ,,Vielschreiber" Hevesi stellt sowohl mit der Zahl als auch der  generischen Komplexität seiner Schriften etwas Besonderes dar. Seine  Kritiken, Novellen, Humoresken, Reisefeuilletons und fantastische  Schriften lassen zum einen den ,medialen Fußabdruck' der Epoche  erscheinen. Zum anderen ermöglichen sie - stellvertretend für andere  Feuilletonisten und Feuilletonistinnen um 1900 - die Untersuchung  eines genuin literarischen Menschen. Die Analyse erweist, dass die  journalistische Routine die besondere Leistung nicht ausschließt, dass  ihre Stärke gerade im Detail liegt: in der kleinen Form, auf der Ebene  von Textsegmenten und in der Stellenlektüre.

 

Johanna Chovanec, Gabriele Cloeters, Onur Inal, Charlotte Joppien, Urszula Woźniak (Hg.)

Türkeiforschung im deutschsprachigen Raum. Umbrüche – Krisen – Widerstände
Springer, Wiesbaden 2020

Die Autorinnen und Autoren des vorliegenden Sammelbandes untersuchen Umbrüche, Krisen und Widerstände in der Geschichte sowie der Gegenwart der Türkei. Im Zentrum steht die Frage, wie gesellschaftlicher und politischer Wandel in Kunst und Literatur verhandelt wird, welchen Einfluss er auf transnationale Migrationsbewegungen hat, wie er den urbanen Raum verändert und welche Rolle akademische Freiheit dabei spielt. Drei Militärputsche formten die Geschichte des Landes in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die anschließend einsetzende neoliberale Agenda der 1980er Jahre hatte nicht nur wirtschaftliche, sondern weitreichende soziale und kulturelle Folgen. Der Band verfolgt einen interdisziplinären und epochenübergreifenden Ansatz, der einerseits Wechselwirkungen zwischen Kultur und Politik untersucht und andererseits gesellschaftliche Strukturen in ihrer historischen Veränderlichkeit beleuchtet.

 

Christian Egger

Shows, Signals, Unvernehmen:
Collected Re- & Interviews 2005–2020
Floating Opera Press, Berlin 2020

Das Buch Shows, Signals, Unvernehmen vereint Texte des Kunstkritikers, Kurators und Künstlers Christian Egger der Jahre 2005 bis 2020. Dieses Buch enthält Interviews u.a. mit Künstler*innen wie Jutta Koether, Amelie von Wulffen und Gelitin, sowie Rezensionen für Kunstmagazine wie Camera Austria, Springerin und Spike. Diese beispielhafte Sammlung bietet nicht nur einen Überblick über die Ausstellungspraxis der zeitgenössischen Kunstproduktion, vor allem in Österreich dieser Zeit, sondern beschreibt auch die kritische Reflexion und eine intensive Auseinandersetzung mit den verschiedenen Varianten, Tendenzen und Protagonist*innen dieser Jahre. Mit einem Vorwort von Martin Herbert und Zeichnungen der Künstlerin Ebecho Muslimova.

 

Monika Pessler, Daniela Finzi (Hg.)

Freud. Berggasse 19. Ursprungsort der Psychoanalyse
Hatje Cantz, Berlin 2020

Anlässlich der Neugestaltung des Sigmund Freud Museums erscheint die vorliegende Publikation, die sich der faszinierenden und bahnbrechenden Wirkungsgeschichte der Psychoanalyse widmet. Das Katalogbuch beleuchtet ausführlich Freuds Leben und Werk und erfährt durch die Präsentation der Kunstsammlung des Museums eine umfassende Ergänzung: So aktivieren die vertiefenden Textbeiträge zur Psychoanalyse sowie die von Joseph Kosuth initiierte Kunstsammlung Freuds Erbe und lassen Imaginäres und Imagination auf einzigartige Weise aufeinandertreffen. Dem Buch ist ein Grußwort der mehrfach ausgezeichneten Autorin und Siri Hustvedt vorangestellt.

 

Elana Shapira, Daniela Finzi (Hg.)

Freud and the Émigré. Austrian Émigrés, Exiles and the Legacy of Psychoanalysis in Britain, 1930s–1970s
Palgrave Macmillan, London 2020

This book reconsiders standard narratives regarding Austrian émigrés and exiles to Britain by addressing the seminal role of Sigmund Freud and his writings by presenting groundbreaking examples of the manners in which well-known personalities including psychoanalysts Anna Freud and Ernst Kris, sociologist Marie Jahoda, authors Stefan Zweig and Hilde Spiel, film director Berthold Viertel, architect Ernst Freud, and artist Oskar Kokoschka, achieved a greater impact, and contributed to the broadening of British and global cultures, through constructing a psychologically effective language and activating their émigré networks. 

 

Sigmund Freud

Bruchstück einer Hysterie-Analyse
herausgegeben und kommentiert von Daniela Finzi, Philippe Van Haute und Herman Westerink
V&R unipress, Vienna University Press 2020

Sigmund Freuds Dora-Fallgeschichte gehört zu den theoretisch und literarisch wichtigsten und interessantesten Texten Freuds. Angesiedelt an der Schnittstelle von Hysterie-Studien, Sexualtheorie und Traumdeutung, ist die darin unternommene Auseinandersetzung mit Übertragung und Trauma bahnbrechend. Dieser Band präsentiert die Originalfassung des Textes, wie er im Jahr 1905 veröffentlicht wurde. Der ausführliche Kommentar legt sein Augenmerk einerseits auf theoretische Fragen wie Freuds Ansichten über infantile Sexualität und Trauma. Andererseits wird die Fallgeschichte einer narratologischen Untersuchung unterzogen. 

 

Gernot Howanitz, Ingeborg Jandl (Hg.)

Ich-Splitter: (Cross-)Mediale Selbstentwürfe in den Slawischen Kulturen
Peter Lang (Wiener Slawistischer Almanach, Sonderband 96), Berlin 2019

Der Sammelband „Ich-Splitter“ rückt (auto )biografische Formen ins Blickfeld, die über die textuelle Erschließung des Selbst hinausgehen. Rekonstruktion, Fragmentierung und Brechung des Ich im (cross )medialen Zusammenspiel unterschiedlicher Medien stehen im Zentrum dieses Bandes, der den (inter )medialen Wegen der Selbstinszenierung und Selbstsuche in den slawischen Kulturen nachspürt. Schnittstellen zu anderen (Auto )Biografien werden dabei oft bewusst als Rahmen aufgegriffen, der die Verortung des Ich unterstützt. Die Beiträge befassen sich mit süd-, ost- und westslawischen (Auto )Biografie-Projekten und zeichnen so ein Panorama, das mediale Praktiken der Selbsterschließung in ihrer konzeptuellen Systematik aufzeigt und darüber hinaus auf eine vielseitige Reise durch unterschiedliche slawische Lebenswelten und historische Kontexte einlädt. 

 

Ingeborg Jandl

Textimmanente Wahrnehmung bei Gajto Gazdanov: Sinne und Emotion als motivische und strukturelle Schnittstelle zwischen Subjekt und Weltbild
Peter Lang (Slawische Literaturen, 52), Berlin 2019

Sinne und Emotion bilden das Prisma jeder Selbst- und Welterfahrung und prägen die im Individuum verankerte Subjektivität. Der russische Emigrationsschriftsteller Gajto Gazdanov (1903-1971) rückt Wahrnehmungen so stark in den Vordergrund, dass die Handlung oft von einem Übermaß an Deskription in den Hintergrund gedrängt wird. Diese Studie beleuchtet Motive sinnlicher und emotionaler Erfahrung unter Berücksichtigung interdisziplinärer Konzepte aus Psychologie, Psychoanalyse, Philosophie und den Naturwissenschaften und fragt nach der Systematik ihrer motivischen Repräsentation, ihrer Wechselbeziehung sowie eines davon abzuleitenden Weltbilds. Das Forschungsfeld eröffnet Zugang zu Mechanismen der empirischen Realität, was auch für andere Disziplinen neue Perspektiven und Erkenntnisse verspricht.

 

Thomas Scheiwiller und Karl Tetzlaff (Hg.)

Falk Wagner:
Geld oder Gott?
Zur Geldbestimmtheit der kulturellen und religiösen Lebenswelt

V&R Unipress, Vienna University Press 2019

Die auf den ersten Blick provozierende Verbindung zweier fernstehender Begriffe zielt auf ein Dilemma der Theologie: Gott wird zur beliebig einsetzbaren Legitimation von ganz verschiedenen Inhalten und Positionen. In Geld oder Gott? widmet sich Falk Wagner der höchst aktuellen Frage nach der ambivalenten sozialen Bedeutung des Geldes. In seinen Augen hat das Geld unter den Bedingungen der modernen, ökonomisch bestimmten Gesellschaft die Stelle Gottes als alles bestimmende Wirklichkeit eingenommen, weil es sämtliche Bereiche des individuellen und sozialen Weltumgangs durchdringt. Die kritische Aufgabe von Theologie und Kirche verortet Wagner demgegenüber in der Kultivierung einer Rede von Gott als Grund einer nicht ökonomisch bestimmten, sondern auf wechselseitige Anerkennung zielenden Form menschlicher Freiheit.

 

Eva Schörkhuber

Akte(n) der Verwahrung.
Zugänge zu einem Archiv der Literatur entlang exemplarischer Lektüren von Maja Haderlap, Bogdan Bogdanović und Elfriede Jelinek
Praesens, Wien 2019

Das Archiv hat schon längst seine Unschuld verloren. Es stellt keinen neutralen Speicher dar, aus dem auf unbedarfte Art und Weise Informationen, Texte und Kontexte geschöpft, belegt oder refunktionalisiert werden können. Im Archiv verwahrt werden die Prozesse des Ein- und des Ausschlusses, der Zu- und der Anordnung ebenso wie die Akten mit ihren Spuren und Schriftzügen. In Maja Haderlaps „Engel des Vergessens“, in Bogdan Bogdanovićs „Grüner Schachtel“ und in Elfriede Jelineks „Winterreise“ werden auf unterschiedliche Arten und Weisen Prozesse des Ein- und des Ausschlusses, der Zu- und der Anordnung verwahrt. Dass es in allen drei Texten Momente gibt, die sich (auto-)biographischen Zuschreibungen sowie der Zuordnung zu einem bestimmten kulturellen Gedächtnis entziehen, zeigt sich in den Lektüren, die in diesem Band vor dem Hintergrund aktueller Archiv- und Gedächtnistheorien vorgenommen werden.

 

Marlen Bidwell-Steiner u.  Birgit Wagner (Hg.)

Der Spanische Bürgerkrieg als (Anti)Humanistisches Laboratorium
Literarische und mediale Narrative aus Spanien, Italien und Österreich

V&R unipress, Vienna University Press 2019

Aufgrund innovativer Massenmedien wurde die Guerra Civil nicht nur an der Front, sondern als Propagandakrieg auch international ausgetragen. In diesem Krieg der Ideen kam Intellektuellen eine Schlüsselrolle zu. Dabei ähnelten sich die Narrative und Sprachbilder beider Lager oft geradezu unheimlich. Dieser Band versammelt Beiträge aus der Geschichts-, Literatur-, Film- und Medienwissenschaft. Er beleuchtet die Ereignisse des Spanischen Bürgerkriegs – und die kohärenten oder brüchigen Erzählungen, die über ihn überliefert sind – aus spanischer, italienischer und österreichischer Sicht. Die respektiven Länder waren damals alle mit faschistischen oder mit autoritär zu nennenden Regimes konfrontiert – aber eben auch mit dem Widerstand gegen diese. Der inter- und transdisziplinäre sowie dezidiert postnationale Ansatz zielt nicht vorrangig auf eine innerspanische Analyse, sondern reflektiert die europäische Dimension des Bürgerkriegs.

 

Marianne Maderna

HUMANIMALS or
The INVENTRESS of Wheel Acts
Sonderzahl, Wien 2019

Hinter dem kryptischen Titel verbirgt sich mehr als nur ein Buch: Die Künstlerin Marianne Maderna entwirft ein skulpturales Welttheater, in dem die Kunst buchstäblich gegen die Mächtigen der Welt ins Feld zieht. Die INVENTRESS und ihre Fighterinnen nehmen den Kampf auf, der als zeitgenössisches Entmächtler-Ritual, zwischen Performance und Comic-Reality-Show, inszeniert wird.

Neben dem Text zur Aufführung beinhaltet der Band vier Filme, eine ausführliche Fotodokumentation und einen kontextualisierenden Kommentar.

Video von der Präsentationsveranstaltung im Juni 2019

 

Clemens Ruthner und Matthias Schmidt (Hg.)

Die Mutzenbacher
Lektüren und Kontexte eines Skandalromans
Sonderzahl, Wien 2019

Josefine Mutzenbacher. Die Geschichte einer Wienerischen Dirne. Von ihr selbst erzählt ist der wohl berühmt-berüchtigtste Text der österreichischen Jahrhundertwende-Literatur. Die vorliegende Publikation ist der erste umfassende Sammelband zur Thematik, der sich dem Text aus historischer, literatur- und kulturwissenschaftlicher, philosophischer, feministischer, juristischer, psychoanalytischer und forensischer Sicht nähert. Trotz der umfangreichen Wirkungsgeschichte und multimedialen Rezeption des Buches stand eine umsichtige wie interdisziplinäre wissenschaftliche Bearbeitung lange Zeit aus – die neben zahlreichen Detailinterpretationen vor allem auch Material zur Beantwortung der schwierigen Frage liefern soll, wie mit dem Text, dem vermeintlich emanzipatorischen Skandalon Fini umgegangen werden soll.

 

Wolfgang Müller-Funk u. Matthias Schmidt (Hg.)

Blumenbergs Schreibweisen
Methodische und kulturanalytische Perspektiven im Ausgang von Hans Blumenberg
Königshausen & Neumann, Würzburg 2019 

Anhand von zwei zentralen Schriften Hans Blumenbergs – den Paradigmen zu einer Metaphorologie (1960) und der Arbeit am Mythos (1979) – widmet sich der Band einer Relektüre der ausgefeilten gedanklichen wie sprachlichen Verfahrensweisen, die der Philosoph zumeist unkommentiert zum Einsatz bringt. Gefragt wird damit nicht nur nach den spezifischen Darstellungsmitteln der Texte und dem Verhältnis, das diese zu den verhandelten Themenkomplexen unterhalten, sondern auch, inwiefern deren reichhaltiges Arsenal an Denk- und Ausdrucksweisen gegenwärtig Anschlussmöglichkeiten für kulturanalytische Fragestellungen bereithält. 

 

Anna Babka

Postcolonial-Queer.
Erkundungen in Theorie und Literatur

Turia & Kant, Wien 2019

Begriffe wie gender, queer und postkolonial bilden den theoretischen Fokus und zugleich den Ort der Entfaltung und transdisziplinären Perspektivierung des Bands, der einen weiteren Baustein zur Verankerung der Gender-, Queer- und Postcolonial Studies in der (germanistischen) Literatur- und Kulturwissenschaft liefern soll.

 

Daniel Winkler (Hg.)

Matera und die Basilikata
Stauffenburg (Zibaldone. Zeitschirft für italienische Kultur der Gegenwart 66), Tübingen 2019

Die Ernennung Materas zur Kulturhauptstadt Europas 2019 ist Anlass, die Herbstnummer von Zibaldone der Basilikata zu widmen. Die dünn besiedelte Region ist für ihr Weltkulturerbe der Sassi, die Höhlensiedlungen und Felsenkirchen, ebenso aber für karstig-bergige und fruchtbar-mediterrane Landschaften bekannt. Seit Ernesto de Martinos anthropologischen Studien wurde der ambivalenten Komplex von archaischem Reiz und Volksfrömmigkeit, Armut und Emigration zunehmend zum Allgemeinwissen. Heute kommen populäre Traditionen der cupa cupa (Stabreibtrommel) und Tarantella (lucana) bei Folk- und Rockbands wie Ragnatela oder Le Mani zum Einsatz, Pilgerfahrten zum Monte di Viggiano, zu mittel¬alterlichen Klöstern (Anglona) und archäologische Museen (Potenza) gehören ebenso zu touristischen Attraktionen wie musik- und literaturgeschichtliche Erinnerungsorte (Venosa, Valsinni).
Nicht zuletzt dieses Erbe hat, lange nach Carlo Levis Verbannung (1935/36) bzw. Literarisierung der Basilikata (Cristo si è fermato a Eboli, 1945), Potenzial für die Aufwertung der Region geliefert, wenn auch im Schatten des benachbarten Apulien. Die Mythen, bäuerlichen Traditionen und kleinteiligen Strukturen der Basilikata passen zum Zeitgeist der Nachhaltigkeit. Diesen macht auch die Kulturhauptstadtinitiative stark, wenn sie weniger auf große internationale Namen als auf einen hohen Prozentsatz von Kulturprojekten aus der Region setzt. Freilich ist die Basilikata mit ihrem baulichen Erbe nicht nur für Literatinnen und Künstler aus der Region reizvoll, sondern auch für Projekte mit Strahlkraft Richtung Tourismus und Spekulation. Luxuriöse Transformationen der Sassi und Projekte wie Terramare, Cinecamp Euromediterraneo der Lucana Film Commission zeugen von dieser Ambition.

Daniel Winkler (Hg.)

Geschlechterinszenierungen
Stauffenburg (Zibaldone. Zeitschirft für italienische Kultur der Gegenwart 64), Tübingen 2018

In Italien gehen Geschlecht, Kunst und Politik eine besondere Beziehung ein, auch weil hier vielerorts Abweichungen von klassischen Modellen von Familie und damit Mann und Frau einer relativ starken sozialen Kontrolle unterliegen, d.h. deutlicher an patriarchale und religiöse, regionale und mediterrane Traditionen gebunden sind. Der italienischen ‚Hoch‘- und Popularkultur sind so oftmals recht hartnäckig ‚archaische‘ Formen von Geschlechterrollen und repräsentationen eingeschrieben.
Dieses Heft fragt daher danach, wie sich diese Geschlechterinszenierungen in unterschiedlichen Kultur und Kunstformen zwischen dem 19. und 21. Jahrhundert manifestieren, aber auch wie und wo sie variieren und abweichen. Ausgehend von der sich etablierenden Starkultur der Oper und dem sich daran anschließenden Divenkult im Stummfilm, blickt diese Nummer auf ein breites Spektrum an Text- und Bilderwelten und zeigt daran Verbindungslinien zwischen Geschlecht, Italianità und (anti-) bürgerlicher Kultur bis in die unmittelbare Gegenwart auf. Zibaldone kreuzt dabei regionale mit nationalen und transatlantischen Perspektiven, es stellt kanonische Werke wie die von Giaochino Rossini, Alberto Moravia und Vittorio De Sica neuen Formen von Geschlechterinszenierungen gegenüber, wie sie u.a. die Romane von Elena Ferrante und Melania Mazzucco oder die Filme von Ferzan Özpetek zeigen, gibt aber auch an den Rand des Kanons gedrängten Stimmen Raum, etwa Lesben und Schwulen in der Zeit des Faschismus, sei es in Form popularer oder künstlerischer Stimmen.

Daniela Finzi and Herman Westerink (eds.)

Dora, Hysteria and Gender
Reconsidering Freud’s Case Study
Leuven University Press 2018

Freud’s Dora case and contemporary debates on gender, sexuality and queer theory: ‘Dora’ is one the most important and interesting case studies Sigmund Freud conducted and later described. It constitutes a key text in his oeuvre and finds itself at the crossroads of his studies in hysteria, the theory of sexuality and dream interpretation. The Dora case is both a literary and theoretically ground-breaking text and an account of a ‘failed’ treatment. In Dora, Hysteria and Gender renowned Freud scholars reflect on the Dora case, presenting various innovative and controversial perspectives and elaborating the significance of the text for contemporary debates on gender, sexuality and queer theory.

Contributions by Daniela Finzi, Rachel B. Blass, Beatriz Santos, Philippe Van Haute, Herman Westerink, Jeanne Wolff Bernstein, Ulrike Kadi, Ilka Quindeau, and Esther Hutfless

 

Camilo Del Valle Lattanzio u. Wolfgang Müller-Funk (Hg.)

Zwischen dem Schweigen und der Kritik
Octavio Paz, die Moderne und der Essay

Praesens Verlag, Wien 2018

Wie hängt dieses Schweigen der Moderne mit dem Essayismus zusammen? Wie ist diese Verwicklung zwischen Kritik und Poesie denkbar? Was vermag der Essay? Wie lässt sich der innere Dialog zwischen Poesie und Prosa, zwischen Dichtung und Essayismus beschreiben? Welche Brücke bzw. Intertextualitäten ergeben sich aus diesem frenetischen Geist des essayistischen Experimentierens? All diese Fragen haben den Rahmen des internationalen Symposiums zu Octavio Paz im Frühling 2016 bestimmt, das an der Universität Wien und an der Österreichischen Gesellschaft für Literatur stattgefunden hat. Einige Beiträge dieser Tagung wurden hier u. a. zusammengebracht. Die verschiedenen Herangehensweisen rotieren um die Frage nach dem Essay und der Moderne, deren Schwerkraft, aber zugleich um Fragen der Poetologie, der Gattungspoetik, der Politik u.a.

 

Daniel Winkler, Martina Stemberger
u. Ingo Pohn-Lauggas (Hg.)

Serialität und Moderne
Feuilleton, Stummfilm, Avantgarde
Transcript (Ed. Kulturwissenschaft), Bielefeld 2018

Die Medientechniken des 19. Jahrhunderts, zu denen die Rotationsdruckmaschine, die Kamera und der Kinematograf gehören, stiften die Grundlage für eine serielle Massenkultur. Anhand der Werke etwa von Frédéric Soulié und Émile Zola, Blaise Cendrars, André Breton und Germaine Krull, Louis Feuillade und Dziga Vertov analysiert der Band serielle Erzählformen der Moderne, die vom Feuilletonroman über Stummfilmserien bis hin zu avantgardistischen Experimenten reichen. Der Fokus liegt dabei auf der Beziehung von Roman und Presse, audiovisueller Populärkultur und Avantgardepraktiken und deren Verbreitung von Frankreich aus in ganz Europa und in Lateinamerika.

Infos zum Buch

 

Clemens Ruthner

Habsburgs ‚Dark Continent‘
Postkoloniale Lektüren zur imperialen Literatur und Kultur Österreichs im langen 19. Jahrhundert

Francke (Kultur - Herrschaft - Differenz, Bd. 23), Tübingen 2018

Was können Literatur- und Geschichtswissenschaft von den Postcolonial Studies für ein besseres Verständnis der Habsburger Monarchie im „langen 19. Jahrhundert“ (E. Hobsbawm) lernen? Die vorliegende Monografie, die Forschungsarbeiten des Autors aus fünfzehn Jahren zusammenfasst, geht nicht nur dieser Frage nach. Im Anschluss an eine kritische Diskussion des Kolonialismus-Begriffs und eine Neubestimmung der Imagologie als Methodik kulturwissenschaftlicher Forschung werden Fallstudien präsentiert. Sie zeigen ein „koloniales Begehren“ (S. Zantop) in exemplarischen literarischen Texten aus dem alten Österreich auf, die damit auch eine Auseinandersetzung mit dem Vielvölkerstaat selbst anzetteln: F. Kafkas In der Strafkolonie (1914), F. Grillparzers Dramentrilogie Das goldene Vließ (1818–20) und seine Reisetagebücher, P. Altenbergs Ashantee-Skizzen (1897) sowie A. Kubins Roman Die andere Seite (1909). Am deutlichsten jedoch tritt die österreichisch-ungarische Parallelaktion zum Kolonialismus der anderen europäischen Mächte anhand der Okkupation (1878) und Annexion (1908) Bosnien-Herzegowinas zutage. Die damit einhergehende imperiale Formatierung des Fremden wird anhand diverser kultureller Texte analysiert, bevor abschließend nach dem Fortwirken des ‚k.u.k. Kolonialkomplexes‘ im posthabsburgischen Zentraleuropa des 20. und 21. Jahrhunderts gefragt wird.

 

Hildegard Kernmayer / Simone Jung (Hg.)

Feuilleton - Schreiben an der Schnittstelle zwischen Journalismus und Literatur
Transcript, Bielefeld 2018

Das Feuilleton, entstanden um 1800 in der Pariser Presse, überdauert – als Ressort, als journalistisch-literarische Gattung und als Schreib- und Denkweise – die Medienbrüche des 20. und 21. Jahrhunderts. Seit jeher Ort des Ästhetischen im publizistisch-ökonomischen Pressewesen, entfaltet es seine komplexe Poetik bis heute im Spannungsfeld von journalistischer Sachgebundenheit und literarischer Verwandlungsfreiheit, von (kultur-)politischer Debatte und flüchtigem Sprachspiel, von sachlicher Kritik und subjektiver Gestimmtheit.

Die literaturwissenschaftlichen, medienhistorischen und mediensoziologischen Beiträge des Bandes folgen dem feuilletonistischen Schreiben auf seinem Weg von der Zeitung zum Blog und fragen nach der medialen und kulturellen Funktion des Feuilletons als diskursiver Raum und Ort der kulturellen Selbstverständigung.

 

Julia Boog

Anderssprechen. Vom Witz der Differenz in den Werken von Emine Sevgi Özdamar, Felicitas Hoppe und Yoko Tawada
Königshausen & Neumann, Würzburg 2017

Die Studie fragt nach dem verbindenden poetologischen Element  – dem ANDERSSPRECHEN – dreier Gegenwartsautorinnen, die ein kompliziertes metanarratives Spiel mit dem Leser eröffnen: Emine Sevgi Özdamar, Felicitas Hoppe und Yōko Tawada verfassen äußerst anspruchsvolle Texte, die mit einer Vielzahl intertextueller Verweise, kultureller Kontexte sowie mit Versatzstücken der eigenen Biographie arbeiten. Dabei verwischen nicht nur die Grenzen von Fakt und Fiktion, sondern auch die zwischen der Welt des Buches und der des Rezipienten. Die Technik dieses Erzählverfahrens wird als Witz der Differenz beschrieben: Über gewitzte Wortmodifikationen, Sprachspiele und das Verschieben auf andere Erzählebenen werden vereinfachende Zuschreibungen gegenüber einem ‚fremden‘ sowie ‚weiblichen‘ Schreiben unterlaufen, die ein spezifisches Problem innerhalb der Interkulturellen Germanistik darstellen. Als methodische Grundlage dient der psychoanalytische Ansatz von Sigmund Freud, dessen Erkenntnisse um narratologische Aspekte und interkulturelle Theoreme erweitert werden. Die Arbeit versucht damit, nicht nur eine neue Lesart der Werke von Hoppe,  Tawada und Özdamar zu etablieren, sondern auch dem Witz als immer noch trivialisierter Erzählform ein neues (wirkungsästhetisches) Gewicht zu verleihen.

 

Marlen Bidwell-Steiner

Das Grenzwesen Mensch
Vormoderne Naturphilosophie und Literatur im Dialog mit Postmoderner Gendertheorie
de Gruyter, Berlin/Boston 2017 

Die Monographie stellt Körpervorstellungen der Spätrenaissance jenen der Gender Studies gegenüber, da diese historisch inkompatiblen Textkorpora signifikant ähnliche holistische Ansätze in medialen und epistemischen Zeitenwenden verfolgen.

In den ausgewählten naturphilosophischen Texten des 16. Jahrhunderts werden originäre Theorien zu Leiblichkeit verhandelt, die an eine mediterrane Tradition des Materialismus anknüpfen. Gemeinsam sind ihnen relationale Modelle von Natur und Kultur, was etwa eine ausgeklügelte Affektelehre dokumentiert. Wechselseitige Einflüsse zwischen Körper-innerem und Körperumgebung sind auch zentraler Forschungsgegenstand rezenter Gender Studies, die auf die Offenlegung der metaphorischen Verfasstheit wissenschaftlicher „Wahrheiten“ zielen. 

Die Archäologie historischer Körpermodelle erschließt originäre Zugänge zu Konstruktionen des (männlichen) Subjektes. Da Geschlechterregime immer auf Ordnungen von Körper und Geist basieren, ist es unerlässlich, deren Wechselspiel mit technologischen, sozialen und kulturellen Paradigmen zu beleuchten. Deshalb wird auch die Verarbeitung philosophischer Körperkonzepte in wirkmächtigen literarischen Texten wie etwa der Celestina oder dem Orlando Furioso eingehend analysiert.

 

Arnhilt Johanna Hoefle

China’s Stefan Zweig:
The Dynamics of Cross-Cultural Reception

University of Hawai'i Press (Critical Interventions), Honolulu 2017

During his lifetime Austrian novelist Stefan Zweig (1881–1942) was among the most widely read German-language writers in the world. Always controversial, he fell into critical disfavor as writers and critics in a devastated postwar Europe attacked the poor literary quality of his works and excoriated his apolitical fiction as naïve Habsburg nostalgia. Yet in other parts of the world, Zweig’s works have enjoyed continued admiration and popularity, even canonical status.

China’s Stefan Zweig_ unveils the extraordinary success of Zweig’s novellas in China, where he has been read in an entirely different way. During the New Culture Movement of the 1920s, Zweig’s novellas were discovered by intellectuals turning against Confucian tradition. In the 1930s, left-wing scholars criticized Zweig as a decadent bourgeois writer, yet after the communist victory in 1949 he was re-introduced as a political writer whose detailed psychological descriptions exposed a brutal and hypocritical bourgeois capitalist society. In the 1980s, after the Cultural Revolution, Zweig’s works triggered a large-scale “Stefan Zweig fever,” where Zweig-style female figures, the gentle, loving, and self-sacrificing women who populate his novels, became the feminine ideal. Zweig’s seemingly anachronistic poetics of femininity allowed feminists to criticize Maoist gender politics by praising Zweig as “the anatomist of the female heart.” As Arnhilt Hoefle makes clear, Zweig’s works have never been passively received. Intermediaries have actively selected, interpreted, and translated his works for very different purposes.

China’s Stefan Zweig not only re-conceptualizes our understanding of cross-cultural reception and its underlying dynamics, but proposes a serious re-evaluation of one of the most successful yet misunderstood European writers of the twentieth century. Zweig’s works, which have inspired recent film adaptations such as Xu Jinglei’s _Letter from an Unknown Woman _(2005) and Wes Anderson’s Grand Budapest Hotel (2014), are only beginning to be rediscovered in Europe and North America, but the heated debate about his literary merit continues. This book, with its wealth of hitherto unexplored Chinese-language sources, sheds light on the Stefan Zweig conundrum through the lens of his Chinese reception to reveal surprising, and long overlooked, literary dimensions of his works.

 

Nils Plath

Hier und anderswo
Zum Stellenlesen bei Franz Kafka, Samuel Beckett, Theodor W. Adorno und Jacques Derrida

Kulturverlag Kadmos (Kaleidogramme Bd. 149), Berlin 2017 

Nichts spricht dafür, von einem Text zu erwarten, auf der Stelle zu lesen zu sein, und nichts kann einem versprechen, ihn von der einen Stelle aus lesen zu können. Im »Stellenlesen« wird dies produktiv vergegenwärtigt. Dazu nehmen in diesem Band konstellative Lektüren an Stellen bei Franz Kafka, Samuel Beckett, Theodor W. Adorno und bei Jacques Derrida ihren Ausgangspunkt.

Im »Stellenlesen« zeigt sich, wie das in einem nie ganz gegenwärtigen Jetzt zwischen Vergangenem und Zukünftigen Gelesene in zeitgebundenen, zeitgebenden, zeitzersetzenden, zeiterschöpfenden, unzeitgemäßen und zeitaktuellen wie jederzeit stets ungleichzeitigen Lektüren unausgesetzt in ein vielstelliges Hier und anderswo versetzt zu finden ist. Einander konstellativ kommentierende Lektüren ausgewählter Stellen in den Texten Kafkas, Becketts, Adornos und Derridas sowie korrespondierender Schriften von Paul Celan, Peter Szondi, Walter Benjamin, Roland Barthes, Maurice Blanchot u.a. geben Auskunft über in gängigen Lektüremodalitäten eingeschriebene Vorannahmen und über Möglichkeiten, diese widersprechend oder widersprüchlich zu kommentieren. Und dies nicht in Form eines selbstgewiss sich gegenwärtig meinenden Interpretierens, sondern in der Art eines auf die Künftigkeit eines Anderswo gerichteten »Stellenlesens«. Dies macht in den als literarisch gelesenen Texten Gegenstandpunkte zur Provokation von fortgesetzt widerständigen Gegenlektüren erkennbar. 

 

Mauro Ponzi, Sarah Scheibenberger, Dario Gentili und Elettra Stimilli (Hg.)

Der Kult des Kapitals
Kapitalismus und Religion bei Walter Benjamin

Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2017

Die Beiträge des Bandes, die zum Teil auf eine Vortragsreihe der ‚Associazione Italiana Walter Benjamin‘ zurückgehen, nehmen ihren Ausgang von einer Relektüre von Benjamins Fragment ‚Kapitalismus als Religion‘ (1921). Auf wenigen, nahezu visionären Seiten entfaltet Benjamin seine Lesart des Kapitalismus als Kultreligion, die den Mechanismus einer immer weiter ausgreifenden Verschuldung und Schuldhaftigkeit ausweglos und ewig zu reproduzieren scheint. 

Ein Jahrhundert später bewahrheitet sich Benjamins These in der Krise unserer Tage, die sich durch verschiedenartige Schuld-Dispositive auf das Leben jedes Einzelnen auswirkt. Kein Wunder, dass Benjamins Text ein Bezugspunkt in den jüngeren Debatten über die Natur vor allem des neoliberalen Kapitalismus geworden ist. Die hier gebündelten Aufsätze analysieren ‚Kapitalismus als Religion‘ nicht nur im Kontext von Benjamins Denken, sondern versuchen seine Implikationen angesichts unserer wirtschaftlichen und sozialpolitischen Situation zu entwickeln.

 

Isabel Kranz (Hg.)

Was wäre wenn?
Alternative Gegenwarten und Zukunftsprojektionen um 1914

Wilhelm Fink, Paderborn 2017

Was wäre, wenn der Erste Weltkrieg nicht stattgefunden hätte? Welche Zukunft wäre dann vielleicht unsere Vergangenheit geworden? 

Betrachtet man geschichtliche Wendepunkte und fragt, wie die Dinge hätten anders verlaufen können, so öffnen sich mit den Parallelwelten der Vergangenheit zugleich mögliche Zukünfte. Der vorliegende Band widmet sich wissenschaftlichen, literarischen und künstlerischen Alternativszenarien unserer Gegenwart sowie vergangenen Zukunftsprojektionen um das Jahr 1914 und fragt nach deren Bedeutung für die Auseinandersetzung mit dominanten Geschichtsbildern.

Mit Beiträgen von: Nina Engelhardt, Dagmar Hájková, Lucian Hölscher, Isabel Kranz, Britta Lange, Jakub Machek, Elena Messner, Marcus Mühlnikel, Philip Scheffner, Angela Schwarz, Wolfgang Struck, Oldřich Tůma, Christina Vagt

Obi Assemboni, Anna Babka, Laura Beck, Axel Dunker (Hg.)

Postkolonialität denken – Spektren germanistischer Forschung in Togo
Praesens Verlag, Wien 2017

Der hier vorliegende Band versammelt Beiträge eines Humboldt-Kollegs, das 2014 in Lomé (Togo) zum Thema Germanistik als Sprach- Kultur- und Geschichtswissenschaft: Der 'neue deutsche (Kolonial-) Roman' und die postkolonialen, kulturwissenschaftlichen und interkulturellen Studien stattfand. Ziel der Tagung, einer Kooperationsveranstaltung zwischen Vertreter_innen der Université de Lomé und der Universitäten Wien und Bremen war es, gemeinsam den aktuellen Entwicklungen postkolonialer germanistischer Forschung nachzugehen und zugleich an einem Projekt zu arbeiten, dessen Ort der wissenschaftlichen Begegnung und der Wissensproduktion nicht Europa, nicht ‚der Westen‘ sein sollte, sondern die ehemalige Kolonie, das vermeintlich ‚Andere‘ oder auch der sogenannte „Rest“ (Stuart Hall). Große Teile des wissenschaftlichen und künstlerischen Outputs der Tagung sowie Dokumentarisches sind hier zur ‚Nachlese‘ versammelt und aufbereitet.

Rezension von Martin A. Hainz

 

Martin A. Hainz

Silbenzwang
Text und Transgreß bei Friedrich G. Klopstock, unter besonderer Berücksichtigung des 'Messias'
Narr/Francke, Tübingen 2017

Friedrich Gottlieb Klopstock, ein Autor, dem die ‚interpretive communities‘ Unrecht taten. Empfindsamer Illustrator der biblischen Heilsgeschichte, wie die Zeitgenossen vermeinten? – Sein Hauptwerk, ‚Der Messias‘, ist aber mehr als dies, geprägt durch eine moderne Sprache, eine Rhythmik, die den Text vorantrieb und noch -treibt, eine Kinetik noch der Visionen, etwa: eines Alls der Aufklärung. Auf dem Umweg über die Sprache und insbesondere die Metrik legt diese Studie jene Qualitäten nochmals frei, jene von Experiment und Eskalation: „Jeder Gedanke, mit dem du dich selbst, o Erster, durchschauest, Ist erhabner, ist heiliger, als die stille Betrachtung, Auf erschaffene Dinge von dir hernieder gelassen“…

 

Roman Horak, Ingo Pohn-Lauggas, Monika Seidl (Hg.)

Über Raymond Williams
Annäherungen, Positionen, Ausblicke
Argument, Hamburg 2017

Wie kaum ein anderer steht Raymond Williams (1921–1988) mit seinem Werk für die politische Stoßrichtung des eingreifenden Denkens der Cultural Studies. Eine intensivere Beschäftigung mit seinem Beitrag zu ihrer theoretischen Fundierung scheint im deutschsprachigen Raum nach wie vor Sache weniger Spezialisten zu sein – dem soll dieser Band entgegengesetzt werden. Williams wird als linker Theoretiker und Praktiker vorgestellt, der 'Kultur' nicht säuberlich getrennt von den Dimensionen des Politischen und Ökonomischen, sondern mit ihnen vielfältig und wechselseitig verbunden wahrnimmt.

Deklariertes Ziel des Buches ist es, Raymond Williams’ Denken nicht nur historisch zu verorten, sondern auch neu zu kontextualisieren. Es erhebt den Anspruch, die überfällige Würdigung seines ungebrochenen Einflusses auf das kritische Denken damit zu leisten, dass seine Nützlichkeit gezeigt wird. Mit dieser Würdigung setzen die Herausgeber auch ein Zeichen gegen den Konformismus der etablierten Kulturwissenschaften.

Daniel Winkler (Hg.)

Gegenwartstheater aus Italien
Stauffenburg (Zibaldone. Zeitschirft für italienische Kultur der Gegenwart 62), Tübingen 2017

Italien ist wie kaum ein anderes europäisches Land auf das engste mit populären eaterformen und theatralen Praxen verbunden. Gleichzei- tig hat es das institutionelle und ö entlich subventionierte eater in Italien traditionell schwer. Seine Außenwirkung ist oft beschränkt, im deutschsprachigen Raum werden meist nur einige wenige Namen von eaterautor_innen und Regisseur_innen wahrgenommen bzw. aufge- führt. Davon ausgehend will dieses Heft von Zibaldone den sinnlichen Experimenten in der italienischen und italophilen eaterpraxis des 20. und 21. Jahrhunderts nachgehen: in Form der literarisch basierten Linie des Sprechtheaters, für die das Mailänder Piccolo Teatro steht, aktuell v.a. mit dem außergewöhnlichen Erfolg von Stefano Massinis Stücken, aber auch den Fortführungen avantgardistischer wie populärer schauspieler- und körperzentrierter eaterpraxen – Stichworte: Carme- lo Bene, Dario Fo bzw. Commedia dell’arte. Neben dem eater der Kompanien, wie es aktuell u.a. die Sizilianerin Emma Dante mit ihrer Compagnia Sud Costa Orientale erfolgreich fortführt, hat in Italien aber auch das Puppentheater eine lange Geschichte, das u.a. in Neapel fest verankert ist und populäre Traditionen ständig neu akzentuiert. Aktuell wirkungsmächtig im Sinn der Präsenz auf großen europäischen Festivals und Bühnen sind diverse Sparten, Künste und Medien transzendierend auch die postdramatischen eaterpraxen, wie sie Romeo Castellucci paradigmatisch vertritt. Mit einem Wort: Zibaldone rückt mit diesem Heft das Gegenwartstheater aus Italien und die Verwebungen von Tradition und Experiment, Sinnlichkeit und Politik in den performativen Künsten in den Mittelpunkt. 

 

Helga Lutz, Nils Plath und Dietmar Schmidt (Hgg.)

Satzzeichen. Szenen der Schrift
Kulturverlag Kadmos (Kaleidogramme Bd. 156), Berlin 2017

Die Maßgabe der Satzzeichen stellt sich unwillkürlich ein. Es hätte gar keinen Zweck, sie zu ignorieren. »Jeder Text [...] zitiert sie von sich aus« (Adorno), ob man will oder nicht: nicht etwa indem er sie einbestellt, beordert (herbeizitiert), sondern indem er sich auf sie beruft, als Autorität. Satzzeichen bekunden Szenenwechsel, mit denen sprachliches Handeln auf einen Schauplatz der Schrift zurückverwiesen wird.

Interpunktion stellt beharrlich Schriftlichkeit aus. Die Schriftsetzer setzen die Schrift, aber die Satzzeichen setzen die Schrift in Szene. Sie führen die Schrift auf. Diese theatrale Dimension der Satzzeichen verkompliziert ihren Status erheblich. Zwar verhält sich die Interpunktion historisch offenbar sekundär zur Schrift. Sie hat sich erst allmählich, zunächst (in der Antike) als philologische Notationspraxis und als Verfahren des markierenden Lesens zur Aneignung eines Textes für den Vortrag, dann als ein Ensemble allgemeinerer Konventionen in den europäischen Schriftkulturen etabliert, um erst sehr spät (im 19. Jahrhundert) in strikten Regelwerken eine normative Fassung zu erlangen. Aber wo Interpunktion – in Form welcher Praktiken und welcher Zeichen auch immer – einmal in Kraft getreten ist, scheint sie der Schrift ihren Raum zu eröffnen, in dem diese sich allererst konstituiert.

Szenen der Schrift, die durch Satzzeichen eröffnet werden, finden sich in literarischen Texten vielfältig aufgeführt und archiviert. Literatur speichert die historisch verschiedenen Praktiken der Zeichensetzung, sie erzeugt – in Prozessen ihrer Tradierung und Übersetzung – Spuren der Friktionen und Verwerfungen zwischen verschiedenen Interpunktionssystemen. 

Der vorliegende Band versammelt undisziplinierte Stellungnahmen zu Satzzeichen. Ab- und Ausschweifungen sind willkommen, um die »Nichtigkeit und Wichtigkeit« (Karl Kraus), die Abgelegenheit und Tragweite des Gegenstandes auszuloten.

Ingeborg Jandl, Susanne Knaller, Sabine Schönfellner, Gudrun Tockner (Hg.)

Writing Emotions: Theoretical Concepts and Selected Case Studies in Literature
transcript (Lettre), Bielefeld 2017

After a long period of neglect, emotions have become an important topic within literary studies. This collection of essays stresses the complex link between aesthetic and non-aesthetic emotional components and discusses emotional patterns by focusing on the practice of writing as well as on the impact of such patterns on receptive processes. Readers interested in the topic will be presented with a concept of aesthetic emotions as formative both within the writing and the reading process. Essays, ranging in focus from the beginning of modern drama to digital formats and theoretical questions, examine examples from English, German, French, Russian and American literature. Contributors include Angela Locatelli, Vera Nünning, and Gesine Lenore Schiewer.

 

Monika Schwärzler

At Face Value and Beyond
Photographic Constructions of Reality
Transcript, Bielefeld 2016

How to account for the peculiar attraction of certain photos? How to deal with the specific use of images in particular contexts? Monika Schwärzler presents a variety of photographic case studies exploring visual phenomena from the point of view of media analysis as well as from sociological, aesthetic, and psychoanalytic perspectives. The topics range from a new reading of Thomas Struth's street photographs to CERN photos with their charged rhetoric, from the assault of photographic close-ups to speculations on an anonymous slide collection featuring a woman with an ever-present white handbag. The book is intended for an audience receptive to the analytical appeal of images, prepared to go beyond what can be taken at face value.

 

Peter Clar

„Ich bleibe, aber weg.“
Dekonstruktionen der AutorInnenfigur(en) bei Elfriede Jelinek
Aisthesis, Bielefeld 2016

Die Frage nach der ‚realen‘ Autorin, der Autorin ‚vor‘ dem Text, ist ein zentrales Moment literaturwissenschaft­licher Reflexion. Entlang dekonstruktiver Theorien wird in der vorliegenden Untersuchung gezeigt, wie in Elfriede Jelineks Texten die Autorin ihre Position als dem Text vorgängige Autorität verliert und wie dieser Autoritätsverlust auch andere, tendenziell als sicher angenommene, Hierarchien brüchig werden lässt. Die Frage nach der Autorin wird damit zu einer Frage nach der politischen Sprengkraft der Texte.

Peter Clar unternimmt nicht nur eine dekonstruktive Lektüre der Texte Jelineks, vielmehr legt er überzeugend dar, wie sehr eine solche Zugangsweise im Zusammenspiel mit Texten, die selbst schon theoretisch affiziert sind, die Frage nach der Unterscheidbarkeit von ‚Wissenschaft‘ und ‚Literatur‘ stellt.

 

Daniel Winkler

Körper, Revolution, Nation.
Vittorio Alfieri und das republikanische Tragödienprojekt der Sattelzeit

Wilhelm Fink (Laboratorium Aufklärung 29), Paderborn 2016

Der piemontesische Aufklärer Vittorio Alfieri steht in der italienischen Sattelzeit (1710–1870) paradigmatisch für die Tragödie als republikanisch inspiriertes, erhabenes Projekt. Im Spannungsfeld von radikaler Absolutismuskritik und nationaler Selbstvergewisserung entwickeln norditalienische Intellektuelle wie Alfieri, der Veroneser Klassizist Scipione Maffei und der Gluck-Librettist Ranieri de‘ Calzabigi die Gattung zum moralisch- ästhetischen Gegenmodell zu den in Italien populären Praxen der Barockoper und des Improvisationstheaters. Inspiriert durch die griechische Antike und französische Klassik wird die Tragödie an der Schwelle von Aufklärung und Romantik, Revolution und Restauration zum Vexierbild von kulturellen und politischen Idealen, die den Weg in Richtung Nation und Nationaltheater weisen. Unter dem Vorzeichen der Empfindsamkeit und der Genieästhetik spiegelt sie so den Wandel hin zu einem modernen Staats- und Geschlechterverständnis, auch wenn die ernste Gattung auf den italienischen Bühnen erst mit dem verdianischen Musiktheater eine breitenwirksame Realisierung erfahren wird. Im Zentrum dieser Entwicklung, die das vorliegende Buch nachzeichnet, stehen neben Alfieri, Calzabigi und Maffei vorund postrevolutionäre italienische Tragödienautoren und Theaterschaffende, allen voran Pietro Metastasio, Luigi Riccoboni, Francesco Saverio Salfi und Alessandro Manzoni. Kontrastive Lektüren von Texten Addisons, Gottscheds, Voltaires und Schillers eröffnen dabei eine europäische Perspektive auf das republikanische Tragödienprojekt der italienischen Sattelzeit.

 

Christian Zolles

Die symbolische Macht der Apokalypse
Eine kritisch-materialistische Kulturgeschichte politischer Endzeit
De Gruyter Oldenbourg, Berlin/Boston 2016

In welcher Form und unter welchen Voraussetzungen wurde die Apokalypse ab dem ausgehenden 18. Jahrhundert rezipiert und ‚säkularisiert‘? Die Studie geht dieser Frage aus kulturkritischer Perspektive nach und führt noch in modernen Endzeitdarstellungen vorhandene, tiefe politische Implikationen vor. Damit aktualisiert sie auch ein Verständnis für eine ‚Apokalypse von unten‘, das soziale Aufbegehren gegen die herrschende (chronologische) Ordnung.

 

 

Anna Babka, Peter Clar (Hg.)
Unter Mitarbeit von Flora Petrik

»Im Liegen ist der Horizont immer so weit weg«. Grenzüberschreitungen bei Barbara Frischmuth
Sonderzahl, Wien 2016

Aus Anlass des 75. Geburtstags von Barbara Frischmuth versammelt dieser Band eine erhellende Mischung aus Text- und Bildbeiträgen, Gedichte, Briefe, Miniaturen, Vignetten, Essays, Aufsätze usw. Eine Gemeinsamkeit dieser Sammlung sehen Anna Babka und Peter Clar in der Reflexion der Wirklichkeitskonstruktion in Frischmuths Œuvre, in den Beschäftigung mit dem Märchenhaften und Phantastischen sowie dem Widerständigen in ihren Texten.
Die Vielfältigkeit und die Grenzüberschreitungen kristallisieren sich als wichtige Haltungen in ihrem Schreiben heraus. Und so stehen die titelgebenden Verse aus einem Gedicht Frischmuths für ein Denken der Offenheit, Gemeinschaftlichkeit und Solidarität.

Mit Beiträgen von: Anna Babka, Silvana Cimenti, Peter Clar, Joanna Drynda, Thomas Eder, Olga Flor, Gerhard Fuchs, Andrea Grill, Reinhard P. Gruber, Christa Gürtler, Peter Handke, Bodo Hell, Klaus Hoffer, Andrea Horvath, Elfriede Jelinek, Jochen Jung, Klaus Kastberger, Elisabeth Klar, Markus Köhle, Alfred Komarek, Stefan Krammer, Isabel, Kranz, Paul-Michael Lützeler, Joanna Łwanikowska-Koper, Friederike Mayröcker, Mieze Medusa, Aleksandra Pawloff, Elisabeth Reichart, Peter Rosei, Gerhard Rühm, Christian Schenkermayr, Almut Tina Schmidt, Matthias Schmidt, Eva Schörkhuber, Ingrid Spörk, Thomas Stangl, Andrea Stift-Laube, Daniela Strigl, Ida Szigethy, Anna Weidenholzer, Monika Wójcik-Bednarz

 

Wolfgang Müller-Funk
Unter Mitarbeit von Johanna Chovanec

Theorien des Fremden
Eine Einführung
utb, Tübingen 2016

Der Band bezieht sich auf die Figur des und der Fremden ebenso wie auf die Erfahrung von Fremdheit. In 13 transdiziplinären Zugängen spannt sich der Bogen von sozialwissenschaftlichen Ansätzen über klassische Konzepte der Psychoanalyse, philosophische Denkfiguren von Alterität bis hin zur Dekonstruktion. Berücksichtigung finden zudem Theorien des Phantastischen, die Imagologie, postkoloniale Beiträge sowie differenzfeministische Annäherungen.

Anna Babka, Gerald Posselt
Unter Mitarbeit von Sergej Seitz und Matthias Schmidt

Gender und Dekonstruktion
utb/Facultas 2016

Was hat der Begriff Gender mit der Dekonstruktion zu tun, in deren Zeichen seit den 1960er Jahren eine radikale Kritik an den hierarchischen, machtgesättigten Grundoppositionen des abendländischen Denkens erfolgt? Inwiefern ist die Geschlechtsidentität gesellschaftlich konstruiert und wie kann sie dekonstruiert werden? In welchem Zusammenhang stehen die emanzipatorischen Ziele der Queer-Theorie mit dekonstruktiven Denkbewegungen? Entlang einer historisch systematischen Hinführung, eines Begriffsglossars und einer kommentierten Bibliographie widmet sich der Band den Grundlagen der Gender- und Queer-Theorie. Er richtet sich an Studierende aller geistes-, sozial- und kulturwissenschaftlichen Disziplinen und ist zugleich als Einführung und Nachschlagewerk geeignet.

 

Anna Babka / Marlen Bidwell-Steiner / Wolfgang Müller-Funk (Hgg.)

Broken Narratives / Narrative im Bruch.
Theoretische Positionen und Anwendungen

Vienna University Press, Wien 2016.

Der erste Band der Reihe „Broken Narratives“ geht auf eine mehrjährige Forschungsinitiative der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien zurück. Er entfaltet und diskutiert – aus genuin transdisziplinärer Perspektive – insbesondere theoretische Fragestellungen, die sich aus der Beziehung von Narration und Bruch ergeben. Dabei kommen nicht nur vielfältige narratologische Modelle zu Wort, vielmehr wird das Thema der gebrochenen und brüchigen Narrative auch im Hinblick auf theoretische Basiskonzepte vielstimmig erörtert und breit konturiert. Das Spektrum der Beiträge reicht von gleichsam ‚neo‘-narratologischen zu kognitionstheoretischen, von philosophisch dekonstruktiven zu gender- und queertheoretischen bis hin zu biographie- und autobiographietheoretischen Ansätzen.

 

Isabel Kranz, Alexander Schwan und Eike Wittrock (Hg.)

Floriographie: Die Sprachen der Blumen
Wilhelm Fink Verlag, Paderborn 2016

Blumen sind mehr als Blumen: Sie kodieren historisch und kulturell bedingte Nachrichten, die entziffert und gelesen werden können. Was zeichnet eine solche Kommunikation durch die Blume aus?
Der Band erkundet erstmals das Feld der kulturwissenschaftlich informierten Pflanzenkunde und fragt nach den Medien floraler Kommunikation. Die Beiträge aus Kunst-, Tanz- und Literaturwissenschaft, Medientheorie und Biologie untersuchen die kodierten Botschaften, die mit Blumen versendet werden, und fragen nach der Vermittlungsposition, die die Blume als hybrides Natur-Kultur-Objekt zwischen unterschiedlichen Wissensbereichen einnimmt. In drei Sektionen – Dissemination, Animation und Zirkulation – wird aufgezeigt, inwiefern das jeweilige Verständnis einer Blumenkommunikation durch die eingesetzten Medien bestimmt wird und welche Konsequenzen dies für die Konzeption des Vegetabilen nach sich zieht.

Mit Beiträgen von Melanie Eva Boehi, Gabriele Brandstetter, Nils Güttler, Isabel Kranz, Chonja Lee, Peter McNeil, Bettine Menke, Gerhard Neumann, Stefan Rieger, Elaine Scarry, Alexander Schwan, David Sittler, Gerhard F. Strasser, Alison Syme, Dieter Volkmann und Eike Wittrock.

Inhaltsverzeichnis und Leseprobe

 

Daniel Romuald Bitouh

Ästhetik der Marginalität im Werk von Joseph Roth. Ein postkolonialer Blick auf die Verschränkung von Binnen- und Außerkolonialismus
Francke (Kultur - Herrschaft - Differenz, Bd. 19), Tübingen 2016

Ausgehend von der Frage des Dritte-Welt- oder Afrika-Bezugs in Joseph Roths Texten untersucht die Arbeit die Marginalität von dessen Hauptgestalten am Beispiel ausgewählter Romane und essayistischer Texte. Das Kernanliegen der Untersuchung ist es zu zeigen, wie die imperiale Begegnung zwischen Europa und Afrika in Roths Werk thematisiert und dargestellt wird. Dabei ergeben sich u.a. folgende Problemkreise: Was ist Marginalität bei Joseph Roth? Wie kommt die Marginalität von Roths Gestalten zum Vorschein? Inwiefern lässt sich diese Marginalität auf einen globalen Zusammenhang übertragen?

 

Inge Arteel, Stefan Krammer (Hg.)

In-Differenzen
Alterität im Schreiben Josef Winklers
Stauffenburg Verlag, Tübingen 2016

Die Beiträge dieses Bandes gehen unterschiedlichen Dimensionen von Alterität in den literarischen Texten von Josef Winkler nach. Ausgangspunkt der Analysen bilden theoretische Überlegungen zur Alterität, wie sie etwa in den postcolonial studies oder der gender theory diskutiert werden. Die Spurensuche nach dem "Anderen", dem "Fremden" in Winklers Texten führt dabei über den Kreuzgang kultureller, ethnischer, sexueller und religiöser Differenzen.

Informationen

 

 

Matthias Schmidt (Hg.)
im Namen von aka unter Mitarbeit von Tanja Veverka 

Rücksendungen zu Jacques Derridas »Die Postkarte«
Ein essayistisches Glossar

Turia + Kant, Wien/Berlin 2015 (aka|texte #3)

»Im Anfang, im Prinzip war die Post, und darüber werde ich niemals hinwegkommen.« 

Die Postkarte gilt als eines der schwierigen Werke von Jacques Derrida: Unter der Oberfläche einer fragmentarischen Korrespondenz verschränkt der Text Liebesdiskurs, Medientheorie und dekonstruktive Epistemologie. Das Ergebnis ist eine Theorie der »Sendungen«, deren schier uneinholbare Fülle hier, erstmalig seit ihrem Erscheinen vor 35 Jahren, systematisch untersucht wird. 

Die 32 Beiträge erhellen zentrale Motive, Wendungen und Figuren des Textes, im Sinne eines »unmöglichen« Glossars: von A wie Adresse, bis Z wie Zeitverschiebung.

 

Sabine Zelger, Stefan Krammer (Hg.)

Literatur und Politik im Unterricht

Wochenschauverlag (Wiener Beiträge zur Politischen Bildung 4). Schwalbach/i. Ts 2015 

Wie kann Literaturunterricht politisch bilden? Von welchem Literatur- und Politikverständnis ist dabei auszugehen? Und welche Texte, welche Zugänge und Methoden bieten sich an? In einem interdisziplinären Austausch werden diese Fragen diskutiert und theoretische sowie praktische Verschränkungen von Politik und Literatur vorgestellt. Ausgangspunkte bilden gegenwärtige Problemlagen wie Postdemokratie und Neoliberalismus, übergreifende Konzepte wie jene des Engagements, der Subversion, der Subjekttheorie und der Erinnerungskulturen sowie Erfahrungen aus der Bildungs- und Unterrichtspraxis mit Materialien, Schreibprojekten und Kompetenzen.

 

Matthias Schmidt, Daniela Finzi, Milka Car, Wolfgang Müller-Funk, Marijan Bobinac (Hg.)

Narrative im (post)imperialen Kontext
Literarische Identitätsbildung als Potential im regionalen Spannungsfeld zwischen Habsburg und Hoher Pforte in Zentral- und Südosteuropa
Francke (Kultur - Herrschaft - Differenz, Bd. 21), Tübingen 2015

Die komplexen kulturellen und literarischen Wechselbeziehungen im zentraleuropäischen Raum vor der Folie des kulturellen Gedächtnisses der Habsburger Monarchie stehen im Zentrum dieses Buches. Unter Rückgriff auf Ansätze aus den Kulturwissenschaften, den Postcolonial Studies sowie der Imperiumsforschung kommt darin ein Verständnis von Literatur zum Ausdruck, das den literarischen Text als eine Verschränkung von symbolischen und sozialen Systemen analysiert. Besonderes Augenmerk gilt dabei Phänomenen der (imaginären) Grenzziehungen und Grenzüberschreitungen, der Konstruktion, Transformation und Überschneidung von kulturell produzierten Räumen und Identitäten und der konstruierenden Opposition von Zentrum und Peripherie. Auch imagologische, an den Prozess des "nation building" angelehnte Fragestellungen werden berührt.

 

Stefan Krammer, Tina Welke (Hg.)

Bewegte Bilder.
Filmbezogenes Lernen als Beitrag zur kulturellen Bildung und Medienbildung

informationen zur deutschdidaktik (ide) Nr. 1/2015

Dieses Themenheft der ide setzt sich mit unterschiedlichen Dimensionen von filmbezogenem Lernen auseinander und fragt danach, welche Kompetenzen die schulische Beschäftigung mit audiovisuellen Medien fördert. Vorgestellt werden medienanalytische Verfahren und -theoretische Zugänge, insbesondere in Hinblick auf methodisch-didaktische Herausforderungen für die schulische Praxis.

 Informationen

Martin A. Hainz

Lapsus. Annotationen zu einer Fehler[kultur]wissenschaft
Königshausen & Neumann, Würzburg 2014

Der Lapsus ist ein bekanntes Phänomen: eine versehentliche Handlung oder ein geradezu unterlaufener Text, woran sich ablesen läßt, was die Wahrheit sei, meist die der Intention dessen, der sich vergeblich hinter jener Handlung verstecken, mit jenem Text maskieren wollte. Zumindest vermag der Lapsus die intentio auctoris dessen, was also gelesen wird, so zu wenden, daß eben jene freigelegt würde, die lautete: Der Text möge sie bedecken. Der Lapsus berührt also das Uneigentliche, und sei’s irreduzibel, um es zu transzendieren. Darin liegt eine Würde des Lapsus, der dann nicht Fehler, sondern List zum Beispiel der Sprache wäre. In ihm ist „so viel Verstand, daß er fast zu nichts mehr in der Welt zu gebrauchen” ist, so ließe sich mit Lichtenberg sagen. Zuletzt widerlegt und erfüllt sich im Lapsus also, was Kultur ist: darum diese kleine Fehler[kultur]wissenschaft.

 

Renata Cornejo, Anna Babka, Sandra Vlasta (Hg.)

Begegnungen und Bewegungen: österreichische Literaturen
Praesens Verlag (Aussiger Beiträge. Germanistische Schriftenreihe aus Forschung und Lehre; 8), Wien 2014

Während in Deutschland in den letzten Jahren vermehrt wissenschaftliche Arbeiten zu literarischen Produktionen von eingewanderten AutorInnen vorliegen, die ihre Herkunftsländer verlassen und sich in weiterer Folge im deutschsprachigen Raum angesiedelt haben, gibt es in Österreich bislang wenig systematische Beschäftigung mit diesem Thema. Erst in den letzten Jahren hat sowohl die deutschsprachige als auch die internationale Germanistik begonnen, vermehrt österreichische AutorInnen, die zwischen verschiedenen Sprachen und Kulturen leben und arbeiten, in den Blick zu nehmen und damit zugleich ein Forschungsfeld zu eröffnen, das sich sowohl Fragen der Verortung und Positionierung der AutorInnen als auch den damit verknüpften literarischen Effekten widmet.

Als ein weiterer Beitrag zu diesem Forschungsfeld liegt der Fokus der vorliegenden Nummer der Aussiger Beiträge auf der Literatur von eingewanderten AutorInnen aus mittel- und osteuropäischen Ländern in Österreich, wie etwa Jiří Gruša, Ivan Ivanji, Viktorija Kocman, Julya Rabinowich, Alja Rachmanowa, Michael Stavarič oder Fred Wander. Zudem wurde das Korpus um AutorInnen erweitert, die – wie etwa Semier Insayif – zwar in Österreich geboren sind, jedoch bi- oder multikulturellen Hintergrund haben, der in ihren Texten, bewusst oder unbewusst, literarisch reflektiert wird. 

 

Gianna Zocco

Das Motiv des Fensters als Öffnung ins Innere in Erzähltexten seit 1945
Weidler (Internationale Forschungen zur Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft, Bd. 174), Berlin 2014

Fenster faszinieren: Wer in das hell erleuchtete Fenster eines Hauses sieht, erhält Einblick in einen privaten Raum, verfügt mit seinem Blick über die wahrgenommenen Objekte, interpretiert das Geschehen in einer Weise, die oft mehr über den Beobachter selbst als über die beobachteten Personen verrät. Doch welche Bedeutung hat das vieldeutige Motiv des Fenster-Einblicks, dessen Nutzung durch die Literatur der Romantik große Beachtung gefunden hat, in Romanen und Erzählungen der Gegenwart? Welche Spuren hinterlassen die technologischen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte, die Kontroversen um Big Brother und New Surveillance, die Verschiebungen in den Relationen von privat und öffentlich in literarischen Darstellungen des Fenster-Einblicks? Diesen Fragen geht die Studie anhand von achtzehn Romanen und Erzählungen aus fünf Sprachräumen nach, die in thematisch gruppierten Analysen beleuchtet und mit unterschiedlichen theoretischen Bezugspunkten in Verbindung gebracht werden, u.a. der kulturwissenschaftlichen Raumtheorie, der Phänomenologie, der Intertextualitätstheorie, der Psychoanalyse und den Surveillance Studies. Ausgehend von einem einzelnen literarischen Motiv entsteht so ein detailliertes Panorama literarischer Verwendungsformen, das die enorme Vielfalt gegenwärtiger Wahrnehmungs- und Urteilsweisen sichtbar macht.

 

Victor Rego Diaz, Juha Koivisto, Ingo Lauggas (Hg.)

Stuart Hall:
Populismus, Hegemonie, Globalisierung
Ausgewählte Schriften 5

Argument, Hamburg 2014

Stuart Hall war nicht nur einer der wichtigsten Begründer der Cultural Studies. Seine Schriften stehen gegen post-strukturelle Verflachungen und Ideologisierungen – eine Theoriebildung, die sich im Befreiungsinteresse stets politisch eingreifend versteht.

Band 5 der Ausgewählten Schriften nimmt mit Texten zu Staat, Populismus und Globalisierung die zentralen Elemente und Wirkungsweisen von Hegemonie unter die Lupe, handelt somit von Herrschaft und Macht, Ideologie und Alltagsverstand, Repräsentation und Partizipation und setzt diese in Bezug zu den wesentlichen strategischen und institutionellen Akteuren in der Gesellschaft: Staat, Parteien, Intellektuelle, kulturelle Szenen usw. Hall rückt das gesellschaftliche Ganze in den Blick, bringt »die gelebte Erfahrung von Individuen und sozialen Gruppen mit gesellschaftlichen Prozessen, Diskursen und Kämpfen in Zusammenhang« und analysiert deren Vermittlung. Die Kategorie der Hegemonie erweist sich für eine solche Analyse gesellschaftlicher Kämpfe und politischer Konjunkturen als unverzichtbares Instrument.

 

Judith Klemenc

Unterrichtsfäden
Ästhetische Prozesse aufgreifen

kopaed, München 2014

Was ist dieses Etwas, das ein Unterrichtsgeschehen irritiert, stört oder auch für ein Unvorhersehbares öffnet?

Entlang diverser Unterrichtsfäden wird dieses Unvorhersehbare in seiner Rätselhaftigkeit aus verschiedenen Unterrichtskonstellationen in den Blick genommen und für ästhetische Bildungsprozesse fruchtbar gemacht, gar als konstitutiv erachtet, auch, um Lehrer_innen für ein Arbeiten mit dem, was da auftaucht, während man tut, zu sensibilisieren und zu ermutigen.

 

Sabine Schrader/Daniel Winkler (Hg.)

The Cinemas of Italian Migration.
European and Transatlantic Narratives
Cambridge Scholars Publishing, Newcastle 2013

Italy is more strongly influenced by the experiences of migrants than many other European countries. This includes an historically ongoing internal migration from the south to the north which is strongly echoed in Neo-realism, a mass emigration mainly from western Europe and North and South America that is connected with mafia films, among others, in Italy's collective imaginary as well as a more recent immigration influx from the southwestern Mediterranean which is dealt with at a film level in New Italian Cinema in the recent decades. Thus, three forms of migration have affected politics as well as Italy's film history, the latter, through the development of new genres and sub-genres. In this manner, questions concerning cultural studies are intersected with those of film aesthetics in this volume. The Cinemas of Italian Migration: European and Transatlantic Narratives brings together for the first time international contributions on the early post-WWII cinema like Il cammino della speranza (The Road to Hope Pietro Germi, 1950) or I magliari (The Magliari Francesco Rosi, 1959) with Migrant Road Movie classics like Lamerica (Gianni Amelio, 1994) and contemporary Italian comedies like Into Paradiso (Into Paradise Paola Randi, 2010). Additionally, this volume includes articles dealing with often marginalized filmmakers (e.g. Vincenzo Marra, Roberta Torre), independent productions (among others, Carmine Amoroso's Cover Boy, 2006) and genres like contemporary Italian documentary films (e.g. Andrea Segre's A Sud di Lampedusa/South of Lampedusa, 2006). The migration narratives are shaped by European and transatlantic filmmakers, not only by Ferzan Ozpetek but also by Werner Schroeter from Germany, Denis Rabaglia from Switzerland, Martin Scorsese from the US and Sandra Gugliotta from Argentina, to name just a few examples.

 

Daniel Winkler (Hg.)

Marseille und die Provence.
Eine literarische Einladung
Wagenbach (SALTO), Berlin 2013

Marseille, Frankreichs »Tor zum Mittelmeer« wurde von griechischen Seefahrern um 600 v. Chr. gegründet. Sie ist die coolere Schwester von Paris, eine Einwandererstadt und ein Sehnsuchtsort bis heute: lebendig und widersprüchlich, ein bisschen wild und eigentümlich zeitgenössisch.

Der große Hafen von Marseille, von dem aus die Schiffe nach Korsika, Sardinien und Nordafrika ablegen, bestimmt die Atmosphäre der zweitgrößten Stadt Frankreichs. Sie ist offen, verrucht, windig und bunt, riecht nach Fisch und frischer Minze. Marseille ist ein Ort zum Ankommen und Aufbrechen – und ein gutes Versteck.

Diese Sammlung von vielen erstmals übersetzten Texten lässt sogar die »Mutter« von Zidane zu Wort kommen und lädt ein zum Streifzug durch Gassen und Boulevards, über Plätze und Quais und folgt auch den Straßen ins zeitgenössische Südfrankreich.

Der Band enthält Beiträge der deutschsprachigen Exilliteratur (Fred Wander, Soma Morgenstern), von bekannten französischen (Jean- Marie Le Clézio, Michel Tournier, Jean- Claude Izzo, Jean Echenoz) und arabischen Autoren (Tahar Ben Jelloun, Leïla Sebbar) sowie bislang ungehörte Stimmen der jüngeren Literaten und Musikergeneration wie Mathieu Croizet, Minna Sif und Moussu T e lei jovents.

 

Anna Babka und Axel Dunker (Hg.)

Postkoloniale Lektüren
Perspektivierungen deutschsprachiger Literatur

Aisthesis, Bielefeld 2013

Dieser Band versammelt einige der interessantesten Beiträge aus der Sektion Koloniale und postkoloniale deutschsprachige Literatur des XII. Kongresses der Internationalen Vereinigung für Germanistik (IVG), der im Sommer 2010 unter dem Titel „Vielheit und Einheit der Germanistik weltweit“ in Warschau stattgefunden hat. Die Auswahl der Texte illustriert die Bandbreite dessen, was innerhalb des Methoden- und Theoriefelds der postkolonialen Studien und der Interkulturellen Germanistik die germanistische Forschung bestimmt.

 

Marlen Bidwell-Steiner und Anna Babka (Hg.)

Obskure Differenzen
Psychoanalyse und Gender Studies
Psychosozial-Verlag, Gießen 2013

Gegenwärtig werden Geschlechtsidentitäten in vielen Kulturen als fragil und wandelbar erlebt. Um den damit verbundenen individuellen und kollektiven Erfahrungen zwischen Angst und Neugier besser begegnen zu können, ist eine Zusammenführung von Psychoanalyse und Gender Studies naheliegend und notwendig. Beide Disziplinen haben seit ihren Anfängen einen prekären institutionellen Status inne. Ihre genuine Hinwendung zu Fragen der geschlechtlichen Identifizierung und der gemeinsame Anspruch auf ein Ineinandergreifen von Theorie und Praxis implizieren vielfältige Anschlussmöglichkeiten.
 
Doch trotz innovativer theoretischer Ansätze innerhalb beider Fachrichtungen ist es nicht leicht, diese ineinander zu überführen und produktiv zu machen. Durch ihre Expertise in beiden Forschungsrichtungen gelingt es den BeiträgerInnen, ein produktives Spannungsverhältnis zwischen der psychoanalytischen Praxis und den Ansätzen der Gender Studies herzustellen und die wechselseitige Rezeption zu stärken. Zugleich werden die obskuren Differenzen beleuchtet und verborgene Parallelen herausgearbeitet.
 
Mit Beiträgen von Anna Babka, Marlen Bidwell-Steiner, Beate Hofstadler, Ortrun Hopf, Ulrike Kadi, Brigitta Keintzel, Eva Laquièze-Waniek, Wolfgang Müller-Funk, Susanne Lummerding, Juliet Mitchell, Alice Pechriggl, Ilka Quindeau und Alenka Zupančič

 

Peter Clar, Markus Greulich u. Birgit Springsits (Hg.)

Zeitgemäße Verknüpfungen. Ergebnisse des DoktorandInnenworkshops der Wiener Germanistik, 10.11.-12.11.2012
Praesens Verlag, Wien 2013

Vom 10. bis 12. November 2011 fand unter dem Titel ‚Zeitgemäße Verknüpfungen‘ der erste thematische Graduierten-Workshop des Instituts für Germanistik der Universität Wien statt. Ziel war es, die Forschung der NachwuchswissenschaftlerInnen aus den verschiedenen germanistischen Disziplinen des Instituts zu präsentieren, in einen intensiven wissenschaftlichen Austausch zu gelangen und Vernetzungsmöglichkeiten zu bieten. Unter den TeilnehmerInnen waren Prae-Doc-AssistentInnen, ProjektmitarbeiterInnen sowie einige DoktorandInnen, die nicht an der Universität Wien angestellt sind. Neben der Beteiligung unterschiedlicher Fachbereiche (Neuere Deutsche Literatur, Ältere Deutsche Literatur, Deutsch als Fremd- und Zweitsprache) trug auch diese Durchmischung dazu bei, dass ein vielfältiges Bild der Forschung, die am Institut erfolgt, sichtbar werden konnte. Die eingegangenen Beiträge wurden fünf thematischen Blöcken zugeordnet, die weitestgehend der Konzeption des Workshops folgen: Erkenntnis – (Trans-)Religiosität und Inter/Kulturalität – Intertextualität – Biographie – Machtstrukturen. Die Aufhebung der innerfachlichen Grenzen eröffnet die Möglichkeit, mit unterschiedlichen methodischen und theoretischen Zugriffen die philologischen, kulturwissenschaftlichen und politischen Dimensionen der aktuellen Forschungsdebatten auszuloten.

 

Daniela Finzi

Unterwegs zum Anderen?
Literarische Er-Fahrungen der kriegerischen Auflösung Jugoslawiens aus deutschsprachiger Perspektive
Francke (Kultur - Herrschaft - Differenz, Bd. 17), Tübingen 2013

Im Zuge des Jugoslawien-Kriege der 1990er Jahre kamen auch im deutschsprachigen "mediopolitischen Diskurs" (Jürgen Link) jene hegemonialen Formatierungsvorlagen diskursiver und narrativer Art, die von Maria Todorava als 'Balkanismen' beschrieben wurden, verstärkt zur Anwendung - welchen Niederschlag fanden sie in der deutschsprachigen Literatur über die postjugoslawischen Kriege? Und wie kann die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem vermeintlich 'Anderen' erfolgen, ohne bestimmte binäre, auf kultureller Asymmetrie beruhende Ordnungen fortzuschreiben?

Die vorliegende Studie von Daniela Finzi verbindet unterschiedliche literatur- und kulturwissenschaftliche Zugänge, um sich diesen Fragen zu nähern. Besonderes Augenmerk gilt den gesellschaftspolitischen und diskursiven Kontexten in Österreich und Deutschland in den 1990er Jahren, die für die Wahrnehmung der Kriege wie auch die Produktion und Rezeption der Texte deutschsprachiger Autor/innen konstitutiv wurden. Darauf aufbauend erfolgt in Form textnaher Close Readings die Auseinandersetzung mit den Texten von Peter Handke, Juli Zeh, Norbert Gstrein, Saša Stanišić und Anna Kim.

 

Ingo Lauggas

Hegemonie, Kunst und Literatur
Ästhetik und Politik bei Gramsci und Williams
Löcker (Cultural Studies, Bd. 11), Wien 2013

In diesem Buch wird aus Antonio Gramscis Schriften zur Kunst und Kultur eine 'Ästhetische Theorie' abgeleitet und in Bezug zu zeitgenössischer kulturwissenschaftlicher Theoriebildung gesetzt.

Besonders anschlussfähig erweist sich dabei der Cultural Materialism, nicht zuletzt da Raymond Williams neben Stuart Hall den wichtigsten Beitrag zur Rezeption Gramscis in den britischen Cultural Studies geleistet hat. Eine nähere Untersuchung dieser Rezeption von einem der "lebendigen Philologie" Gramscis verpflichteten Standpunkt aus gelangt allerdings zu durchaus kritischen Schlüssen und verweist auf problematische Aspekte der Lektüre Gramscis und in der Folge seiner Tradierung in den Cultural Studies.

Anliegen des Buches ist es aufzuzeigen, dass die 'Ästhetische Theorie' Gramscis sich nur im Kontext des Hegemonie-Konzepts erschließt, und dieses seinerseits durch diesen ästhetischen Aspekt erst vervollständigt wird. Daraus ergibt sich ein Spannungsfeld, das sich zwischen den sowohl bei Gramsci als auch bei Williams spezifisch gefassten Komplexen Kunst und Kultur gleichermaßen aufspannt wie – daraus resultierend – zwischen Kulturtheorie und politischer Praxis. In diesem Feld gilt es eine kulturwissenschaftlich verfahrende Ästhetik zu verorten.

 

Wolfgang Müller-Funk

Die Dichter der Philosophen. Essays über den Zwischenraum von Denken und Dichten
Wilhelm Fink, Paderborn 2013

Dort, wo Philosophie an ihre Grenze stößt, wird die Begegnung mit ihrem Anderen, der Sprache von Dichtung und Literatur, attraktiv. In zwölf Essays untersucht Wolfgang Müller-Funk exemplarische Konstellationen von dichterischen Denkern und denkerischen Dichtern.

Entgegen dem traditionsreichen Misstrauen, das die Philosophie gegenüber der Dichtung hegt, besteht zwischen beiden Disziplinen ein oftmals verschwiegener, doch tiefgreifender Austausch. Diesem komplexen Verhältnis wechselseitiger Einflussnahme sind die Essays dieser Studie gewidmet, die von Schellings Zwiesprache mit Cervantes bis hin zu Hannah Arendt und Hermann Broch oder Paul Celan und Emmanuel Lévinas reichen. Im essayistischen Zwischenbereich von Philosophie und Literatur lassen sich so Verständigungen nachzeichnen, die alternative Freiräume der Sagbarkeit sondieren.

 

Gianluigi Segalerba

Semantik und Ontologie
Drei Studien zu Aristoteles
Peter Lang, Bern u.a. 2013

Die vorliegende Arbeit besteht aus drei Studien. In der ersten Studie unternimmt der Autor den Versuch einer hypothetischen Auslegung, wie Aristoteles die zweiten Substanzen und die Universalien interpretiert haben könnte. Im Fokus wird dabei von Seiten des Autors der Frage nachgegangen, ob Aristoteles als Entdecker der Universalien gelten kann und welchen Platz er den Universalien zuweisen könnte. In der zweiten Studie begibt sich der Autor auf das spannende Terrain der aristotelischen Theorie der Substanz und versucht auf diesem Terrain teilweise neue und gewagte Ansätze zu elaborieren. Die interpretatorischen Anstrengungen gelten hier vor allem dem Versuch eines Nachweises einer eventuell vorliegenden konstitutiven Mehrwertigkeit des Konzeptes der Substanz bei Aristoteles. Darüber hinaus verortet der Autor eine gewisse Kontinuität in der Interpretation, welche Aristoteles in seinen Schriften vom Konzept der Substanz verfolgt. In der dritten Studie liegt das Hauptaugenmerk des Autors auf der Gegenüberstellung zwischen der Interpretation der ontologischen Bedingungen für die Synonymie bei Aristoteles und der Deutung der ontologischen Bedingungen für die Nicht-Homonymie in dem von platonischen Auffassungen beeinflussten Argument aus den Bezüglichen (Relativa).

 

Ingeborg Jandl

Rhythmik und Lautstrukturen in Marina Cvetaevas Versdramen Ariadna und Fedra 
Kovač (Grazer Studien zur Slawistik, Bd 4), Hamburg 2013

Verbindungen zwischen formalen Aspekten lyrischer Texte und ihrer Semantik wurden bereits in früheren Studien durch synästhetische Assoziationen von Poeten erklärt. Daran anknüpfend fragt die systematische Untersuchung von Marina Cvetaevas Versdramen Ariadna (1924) und Fedra (1927) nach dem semantischen Potenzial von Metrum, Rhythmus und Lautstrukturen. Der Theorieteil bietet eine Darstellung der lyrischen Formexperimente im historischen Kontext des Silbernen Zeitalters sowie eine Diskussion zentraler verstheoretischer Methoden. Berücksichtigung finden dabei v.a. Ansätze von Etkind, Gasparov, Kvjatkovskij, Lotman, Taranovskij, Tomaevskij und Žirmunskij. Es erfolgt zudem eine knappe inhaltliche wie formale Einbettung der analysierten Tragödien in die Tradition früherer (lyrischer) Bearbeitungen der ihnen zugrunde liegenden mythologischen Stoffe. In den daran anknüpfenden Analyseabschnitten werden konkrete Korrelationen von Metrum, Rhythmus und Lautstrukturen mit inhaltlichen Aspekten der Dramen aufgezeigt. Die Monografie systematisiert und verknüpft Methoden zur Analyse von Wechselbeziehungen zwischen Form und Inhalt in der Lyrik. Durch Anwendung auf Cvetaevas Verstragödien bietet sie einen Überblick über dort vorliegende Korrelationen sowie über die dadurch bewirkte Mimetisierung der Dramenhandlung mittels Metrum, Rhythmus und Lautstrukturen. 

Anna Babka, Daniela Finzi, Clemens Ruthner (Hg.)

Die Lust an der Kultur/Theorie
Transdisziplinäre Interventionen

Für Wolfgang Müller-Funk

Turia + Kant, Wien/Berlin 2012

Die Festschrift für den österreichischen Kulturwissenschaftler Wolfgang Müller-Funk gibt Aufschluss über seine akademische Lehrtätigkeit, über seinen wissenschaftlichen Wirkungskreis und seine theoretischen Hintergründe. Er ist Autor und Vorreiter der methodologischen Begründung der Kulturwissenschaften.

Der Sammelband beschäftigt sich mit der Anwendung kulturwissenschaftlicher Ansätze in unterschiedlichen medialen Formaten. Neben den wissenschaftlichen Aufsätzen und Fallstudien, die um die Forschungsschwerpunkte des Jubilars kreisen - Kultur, Narrativität, Alterität, Gedächtnis, Psychoanalyse, Medialität, Zentraleuropa - finden sich auch essayistische, künstlerische und literarische Beiträge.

 

Stefan Krammer, Wolfgang Straub, Sabine Zelger (Hg.)

Tropen des Staates
Literatur – Film – Staatstheorie 1918–1938

Franz Steiner Verlag (Staatsdiskurse 21), Stuttgart

Einen aussagekräftigen Fundus für Auseinandersetzungen mit dem Staat bilden nicht nur theoretische Texte, sondern auch Romane, Dramen und Filme. Sie stehen im Mittelpunkt dieses interdisziplinären Bandes, in dem Perspektiven auf die Weimarer Republik und auf Österreich in der Zwischenkriegszeit eröffnet werden.

Meri Disoski, Ursula Klingenböck, Stefan Krammer (Hg.)

(Ver)Führungen
Räume der Literaturvermittlung

Studienverlag (ide extra 19), Innsbruck 2012

Der Band greift aktuelle Aspekte der Literaturlehr- und -lernforschung auf, indem er institutionelle, mediale und performative Räume der Literatur untersucht und auf ihr verführerisches Potenzial befragt.

Informationen

Ingo Lauggas (Hg.)

Antonio Gramsci
Literatur und Kultur

Argument, Hamburg 2012

»Dass man, um genau zu sein, von Kampf für eine ›neue Kultur‹ reden muss und nicht für eine ›neue Kunst‹ (in unmittelbarem Sinn), scheint offenkundig. Man kann vielleicht nicht einmal sagen, man kämpfe für einen neuen Inhalt der Kunst, weil dieser nicht abstrakt, von der Form getrennt, gedacht werden kann. Für eine neue Kunst kämpfen würde bedeuten, für die Hervorbringung neuer Künstlerindividuen zu kämpfen, was absurd ist, weil Künstler nicht künstlich hervorgebracht werden können. Es muss von Kampf für eine neue Kultur gesprochen werden, das heißt für ein neues moralisches Leben, das eng an eine neue Intuition vom Leben gebunden sein muss, bis diese eine neue Empfindungs- und Sichtweise der Wirklichkeit und somit eine Welt wird, die zumindest wesensgleich ist mit den ›möglichen Künstlern‹ und den ›möglichen Kunstwerken‹.« (Antonio Gramsci)

Eine dem Anspruch nach aufklärerische und/oder eingreifende Kulturforschung kommt an Gramsci nicht vorbei. Der Begriff ›Kultur‹ gehört mit ›Hegemonie‹ und ›Intellektuelle‹ zu den zentralsten der Gefängnishefte. Die Reformulierung des Kulturbegriffs macht Gramsci bis heute zum unverzichtbaren Theoretiker etwa für die Cultural Studies. Gramscis Auseinandersetzungen mit Popularliteratur, Zeitungen und Fortsetzungsromanen, volkstümlicher und Kriminalliteratur stecken voll interdisziplinärem Kontext und sind erhellend für ein politisches Literaturstudium. Die Erörterungen zu Benedetto Croce und zur zeitgenössischen Literaturkritik, zu Tolstoi, Manzoni und zum Theater Pirandellos sowie immer auch zu den Intellektuellen und ihrer Geschichte geben zeitlos wertvolle Anstöße. Gramscis Notizen bieten eine hervorragende Schulung für das denkende Durchdringen und Verstehen von Kultur und Gesellschaft heute.

 

Anna Babka, Gerald Posselt (Hg.)

Homi K. Bhabha:
Über kulturelle Hybridität. Übertragung und Übersetzung

Aus dem Engl. von Kathrina Menke
Turia + Kant, Wien/Berlin 2012

Homi K. Bhabha ist einer der bedeutendsten Literaturtheoretiker der Gegenwart und neben Edward Said, Gayatri Ch. Spivak und Stuart Hall einer der maßgeblichen RepräsentantInnen der Postcolonial Studies. Der in Indien geborene Wissenschaftler entwickelte eine Reihe von Grundkonzepten für diese Disziplin. Begriffe wie Hybridität, Mimikri, Dritter Raum, Ambivalenz sollen die Formen beschreiben, in denen kolonisierte Völker in der Lage waren (und sind), der Gewalt und der Macht der Kolonisatoren zu widerstehen.

Diesem Text liegt sein im Festsaal der Universität Wien gehaltener Vortrag »On Cultural Hybridity - Tradition and Translation« zugrunde.

 

Wolfgang Müller Funk

The Architecture of Modern Culture
Towards a Narrative Cultural Theory

de Gruyter (Culture and Conflict, Vol 3), New York 2012

These collected essays contain fundamental contributions to contemporary cultural analysis and theory as well as exemplary interpretations of film, literature and other media. Central issues of current cultural studies are addressed: cultural narratives, cultural identity, collective memory and post-colonial thinking. The oeuvre of cultural and literary critic Wolfgang Müller-Funk encompasses historic analyses such as readings of Broch, Canetti and Musil, and the heritage they passed on. Other essays move from the beginning of the 20th to the 21st century and address questions of space, time and globalization discussing, for example, Walter Benjamin and 9/11.

 

 

Anna Babka, Julia Malle, Matthias Schmidt (Hg.)
Unter Mitarbeit von Ursula Knoll

Dritte Räume
Homi K. Bhabhas Kulturtheorie
Anwendung. Kritik. Reflexion.

Turia + Kant, Wien/Berlin 2012

Der Konferenzband bezieht sich auf Homi K. Bhabhas Kulturtheorie mit dem Ziel, diese Theorie aus mehreren Perspektiven zu reflektieren, sein Konzept des »dritten Raumes« und andere Figurationen der Hybridität zu verstehen, zu erörtern und zu hinterfragen. Von hier aus wird auch die Interpreta­tion weiterer Begriffe, die im Zentrum von Bha­bhas Kulturtheorie stehen, mit einbezogen.

 

 

Daniela Finzi, Ingo Lauggas, Wolfgang Müller-Funk, Marijan Bobinac, Oto Luthar, Frank Stern (Hg.)

Kulturanalyse im zentraleuropäischen Kontext
Francke (Kultur - Herrschaft - Differenz, Bd. 14), Tübingen 2011

Der Sammelband beschäftigt sich mit der Anwendung kulturwissenschaftlicher Ansätze im zentral- und südosteuropäischen Kontext. Zu Wort kommen Forscherinnen und Forscher, die sich mit einschlägigen Fragen im Bereich von Kulturanalyse und Kulturwissenschaft beschäftigen. Die film- und literaturwissenschaftlichen Aufsätze verbindet die Bezugnahme auf historische Ereignisse sowie deren kulturellen Hintergrund, den wir ansonsten nur auf der Ebene des Politischen wahrnehmen. Mit Blick auf konkrete Beispiele werden dabei methodische und theoretische Fragen zu Alterität, Raum, Gedächtnis und Erinnerung sowie Identität thematisiert und entfaltet.

 

 

Institut für Europäische und Vergleichende Sprach- und Literaturwissenschaft
Universität Wien
1090 Wien, Spitalgasse 2, Hof 7 (Campus)



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