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Günther Sandner (Wien):

Genieverehrung und Mengenverachtung:
Zu den Arbeiten von Edgar Zilsel und Otto Neurath

Im Jahr 1918 publizierte der heute nur mehr wenig beachtete Edgar Zilsel (1891-1944) sein Buch „Die Geniereligion“. Darin vertrat er unter anderem die These, dass Geniekult notwendigerweise mit einer Geringschätzung des „gewöhnlichen“ Menschen verbunden war. Zudem wies er aus demokratischer Perspektive auf die politische Problematik hin, die entstünde, wenn wenigen „Ausnahmemenschen“ zugebilligt werde, sich außerhalb allgemein gültiger Regeln zu stellen.

Otto Neurath (1882-1945) griff in der ersten Hälfte der 1940er Jahre die Geniedebatte im englischen Exil auf. Er begriff das Phänomen als Bestandteil eines spezifisch „deutschen Klimas“, das letztlich den Weg der deutschen Gesellschaft in den Nationalsozialismus geebnet habe. 

Diese theoretischen Reflexionen fanden ihre Entsprechung in der Praxis: Edgar Zilsel und Otto Neurath waren beide in der Volks- und Arbeiterbildung aktiv. Diese Bildungsarbeit verstanden sie als ihren Beitrag gegen den sozial bedingten Ausschluss von weiten Teilen der Bevölkerung, die sonst keinen Zugang zu Wissenschaft und Bildung hätten. 

Der Vortrag vergleicht Zilsels und Neuraths Arbeiten zum Geniekult und zur Genieverehrung und fragt nach der politischen Bedeutung, die diese Überlegungen heute haben könnten. Inwiefern sind sie ein Beitrag zum politischen Verständnis des Problems Elite und Masse? Wie fügen sich die Konzepte von Neurath und Zilsel in die Debatten über den autoritären, rechten Populismus?

 

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